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Kiseijū

Das erste Mal habe ich Kiseijū vor über 10 Jahren gelesen. Damals noch in der englischen Übersetzung, die unter dem Titel Parasyte ab 1997 in einer der ersten amerikanischen Manga-Anthologien namens Mixxzine erschien. Diese Anthologie vereinte recht unterschiedliche Serien ineinander. Neben dem grotesk-brutalen Kiseijū/Parasyte, das eher für ältere Leser gedacht war, war auch Sailor Moon enthalten, das eine vergleichsweise eher jüngere Zielgruppe anspricht. Aber Amerika ist ja sehr tolerant was Gewaltdarstellungen angeht, so das sogar so eine unwahrscheinliche Kombination zustande kommen konnte. Sailor Moon wurde trotzdem bald in eine andere Anthologie verfrachtet.

Leider habe ich nur wenige Ausgaben von Mixxzine gelesen, obwohl Kiseijū/Parasyte ein Weiterlesen auf jeden Fall wert gewesen wäre. Das nächste Mal begegnete ich Kiseijū während meines Japanaufenthalts 2002. Dort wurde mir der Comic von mehreren Leuten wärmstens empfohlen. Er genießt einen sehr guten Ruf in Japan und wird auch von Leuten geschätzt, die Manga sonst eher kritisch gegenüber stehen. Aber auch während meines Jahres in Japan habe ich Kiseijū nicht weitergelesen.

Erst als meine japanische Freundin Anfang des Jahres Kiseijū bei einer Tachiyomi-Session (Lesen im Stehen im Buchladen) entdeckt hat, kam ich endlich in den vollen Genuss dieses Meisterwerks von Autor . Der Comic hatte ihr so gut gefallen, dass sie sich alle Bände doch gekauft hat, um sie noch einmal in Ruhe zu lesen. Danach landeten die Bände bei mir und ich las ihn zum ersten Mal auf japanisch.

Kiseijū, zu deutsch Parasitenbestien, handelt von schlangenförmigen Parasiten, die das Gehirn von (vorzugsweise) Menschen befallen, die Kontrolle über ihren Körper übernehmen und sich danach von anderen Menschen ernähren. Die Kiseijū können beliebig ihre Gestalt verändern, d. h. der Kopf des befallenen Menschen kann sich verformen, z. B. zu messerscharfen Tentakeln, mit denen sie Menschen zu Hackfleisch verarbeiten und dann auffressen.

Shin’ichi wurde beinahe das Opfer eines solchen Parasiten, bemerkte ihn aber rechtzeitig und wehrte ihn mit seiner Hand ab. Dem Parasit misslingt der Versuch, das Gehirn zu übernehmen, und er nistet sich stattdessen in Shin’ichis rechter Hand ein. Ernährt durch den Blutkreislauf Shin’ichis braucht der Parasit keine Menschen zu fressen und geht eine friedliche Koexistenz mit seinem Wirt ein. Auch Shin’ichi arrangiert sich notgedrungen mit seinem Parasiten, der für sich selbst den simplen Namen Migii (Rechtie) wählt.

Shin’ichi ist der einzige, der weiß, wer hinter den rätselhaften Hackfleischmorden steckt. Gerne möchte er die Menschheit warnen, doch Migii, der nur an sein eigenes Überleben denkt, ist von der Idee wenig angetan. Zwar beschützt er Shin’ichi vor anderen Kiseijū, aber lässt er doch keinen Zweifel daran, dass er dies nur tut, um selbst zu überleben. Und bereit ist, Shin’ichi am Reden zu hindern.

Die Kiseijū können einander ab einer Entfernung von 300 Meter spüren, was dazu führt, dass Shin’ichi immer wieder die Bekanntschaft von Artgenossen Migiis macht. Diese erweisen sich als sehr individuell und nicht alle trachten Shin’ichi nach dem Leben. Auch enden die Hackfleischmorde irgendwann, weil die Kiseijū lernen, ihre Morde besser zu tarnen und ihre Spuren zu verwischen.

Shin’ichi macht infolge seiner Erfahrungen mit den Kiseijū einige Veränderungen durch, was auch seinen Freunden und seiner Familie nicht entgeht. Seine innere Zerrissenheit und Selbstzweifel werden überzeugend dargestellt. Der Reiz des Comics liegt daher neben der in der psychologischen Darstellung seiner Figuren.

Wer SciFi/Horror-Comics mag, dem wird Kiseijū sicherlich gefallen. Er ist abgeschlossen und komplett auf Englisch unter dem Titel Parasyte erschienen. Die ursprünglichen Auflagen bei TOKYOPOP sind mittlerweile vergriffen, aber er wird neu aufgelegt bei Del Rey. Die japanische Leserichtung wird in der Übersetzung nicht eingehalten: Parasyte ist gespiegelt, weswegen aus Migii plötzlich Lefty wird. Aber das lässt sich verschmerzen.

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