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Captain Rainbow

Captain Rainbow von skip Ltd. für Wii hätte ich mir beinahe nicht geholt, weil es laut Gamefront eine relativ schlechte Wertung von der Famitsū bekommen hatte (6, 5, 5, 5). Großer Fehler. Glücklicherweise habe ich es sehr günstig gebraucht gesehen und doch noch geholt. Der größere Fehler war wohl, hier alleine auf Gamefront zu vertrauen. Normalerweise eine gute News-Seite, haben sie hier danebengegriffen. Als ich eben nach der Wertung gegoogelt habe, habe ich herausgefunden, dass es tatsächlich 8, 7, 8, 8 erhalten hat. Damit ist das Magazin wieder rehabilitiert, wobei ich die Wertung aber eigentlich als noch zu niedrig empfinde.

Der Captain Rainbow aus dem Titel war mal ein bekannter Superheld und heißt in Wahrheit Nick. Um wieder ein von allen Kindern bewunderter Held zu werden, kommt er auf die Mimin-Insel, der die Macht innewohnen soll, jeden Wunsch zu erfüllen. Das hat auch einige in Vergessenheit geratene Figuren aus verschiedenen Nintendo-Spielen angelockt, die auch alle einen großen Wunsch haben. Diese Figuren stammen aus Yume kōjō: doki doki panic (bei uns Super Mario Bros 2), Famicom Wars (der Vorgänger vom auch hier erschienenen Advance Wars), Punch Out, Golf (alle für dass NES), Devil World (nur in Japan für das Famicom erschienen), Nazo no murasame-jō (Das rätselhafte Regenschauer-Schloss), Shin-Onigashima (Die neue Teufelsinsel, beide für das Famicom-Disc-System), Panel de Pon (bei uns Tetris Attack, für das SNES), Giftpia und Chibi Robo (beide für den Gamecube, ersteres auch nur in Japan erschienen). Da viele dieser Spiele nicht im Westen erschienen sind oder nur geringen Erfolg hatten, sind die Hälfte der Figuren hier auch völlig unbekannt. Die Kombination eines eher uncoolen Superhelden mit C-List-Nintendo-Maskottchen ergibt eine fantastische Heldenparodie, die nicht mit anzüglichem Humor und unvorteilhafter Darstellung der Figuren geizt.

Das Genre von Captain Rainbow wird auf der Packung mit Actioventure angegeben, ist also eine Mischung aus Action und Adventure. Adventure-typisch kann man mit einem von der Fernbedienung gesteuerten Cursor mit Objekten und Figuren in der Spielumgebung interagieren und löst Rätsel. Action-typisch steuert man den Helden direkt mit dem Controlstick des Nunchuks, rempelt Objekte an und zertrümmert sie und beweist sich außerdem in allen möglichen Minispielen, die auch mal wieder kreativen Gebrauch von der Fernbedienung machen. Sobald Nick seinen Regenbogengürtel wiedergefunden hat, kann er sich außerdem in Captain Rainbow verwandeln. Als Rainbow ist er schneller, kann mit seinem Jo-Jo auch massive Objekte zerstören, Tiere fangen und noch ein paar Dinge mehr. Jedoch kann Nick die Rainbow-Form nicht ewig aufrecht erhalten: Braucht er seinen Energiebalken völlig auf, stirbt er. Der Balken lässt sich mit dem überall wachsenden Essen aber wieder auffüllen.

Das Ziel des Spiels ist es, 20 Kirarin (Sternteile) zu sammeln und so eine Sternschnuppennacht herbeizuführen. Findet man den herabgefallenen Stern und bringt ihn zu einem Punkt auf der Insel, dem Altar im Himmelreich, kann man sich einen Wunsch erfüllen. 20 Sternenteile sind schnell gesammelt und das Spiel wäre schnell vorbei, wenn man gleich seinen eigenen Wunsch erfüllen würde. Um das meiste aus dem Spiel herauszuholen und das richtige Ending zu sehen, muss man sich aber mit den Inselbewohnern anfreunden und nacheinander alle ihre Wünsche erfüllen. Hat man sich mit einer Figur angefreundet, kann man in einer Sternschnuppennacht ihre Hilfe erbitten und gemeinsam zum Altar gehen.

Egal ob alleine oder zu zweit, dunkle Schatten und zufällig erscheinende Wände stellen sich Nick und seinem Partner entgegen. Die beiden müssen einen Weg finden und den Schatten ausweichen. Auf Knopfdruck können die beiden den Stern einander zupassen, um die Schatten zu verwirren. Erwischen die Schatten Nick, kommt es zu einem Wettkampf um den Stern. Erwischen sie den Partner, erbeuten sie den Stern sofort. (Natürlich nur wenn Nick oder der Partner jeweils den Stern gerade in Händen halten.) Man kann den Schatten aber hinterherlaufen und mit einem Rempler zu einem erneuten Wettkampf auffordern, um den Stern zurückzubekommen. Bringen die Schatten den Stern zu einem bestimmten Punkt, beginnen sie einen dunklen Volkstanz und saugen dem Stern die Energie ab. Gelingt es Nick nicht rechtzeitig, den Stern zurückzuerbeuten, stirbt er.

Um sich mit den Bewohnern anzufreunden, muss man ihre Probleme lösen, was meistens mit einem oder mehreren Minispielen verbunden ist. Diese sind vom Prinzip teilweise schon aus anderen Spielen bekannt, aber es gibt auch ganz neue und originelle, und sie sorgen auf jeden Fall für Abwechslung. Scheitert man bei einer Aufgabe, muss man meist bis zum nächsten Tag warten, um es erneut zu versuchen. Es gibt nämlich einen Tag-Nacht-Wechsel und je nach Tageszeit und ihrer Routine machen die Figuren unterschiedliche Dinge. Da es viel zu tun gibt, macht man ständig etwas anderes, erforscht die Insel und erfährt mehr über sie und ihre Bewohner. Es gibt auch die Möglichkeit, sich schlafen zu legen und so zum Beginn des nächsten Tages oder der nächsten Nacht zu springen.

Neben den Szenarien der Inselbewohner gilt es auch noch die Geschichte der Mimin, Naturgeister der Insel, die mit den Sternschnuppen in Verbindung stehen, in Erfahrung zu bringen, alle Tiere und Fische auf der Insel zu fangen und Spezialtechniken und -items zu finden. Auch kann man sich von dem Schreinmädchen Hikari, bei dem man zunächst wohnt, wahrsagen lassen, d. h. einen Tipp erhalten, was als nächstes zu tun ist. Gespeichert wird, ganz Travis Touchdown-like, auf dem Klo. Die Minispiele und Rätsel reichen von sehr einfach bis extrem schwer und das Spiel hat insgesamt einen ausgewogenen Schwierigkeitsgrad.

Mit dem Minus-Knopf kann man eine Karte der Insel aufrufen samt Position aller Figuren und in Sternschnuppennächten auch des herabgefallenen Sterns. Die Karte gibt auch Aufschluss darüber, ob sich etwas an der Routine der Figuren geändert hat (weil sie nun an andere Orte gehen) und man kann so seinen Tag planen. Mit dem Plus-Knopf ruft man das Menü auf, von wo aus z. B. man katalogisierte Tiere und Fische im Untermenü Book einsehen kann. Im Untermenü Status sieht man die bereits getroffenen Figuren mit Beschreibung und Zahl der gesammelte Kirarin und wählt eine von bis zu drei Spezialtechniken. Und im Untermenü Item kann man gesammelte Gegenstände zur Verwendung aufrufen oder sie an angewählte Figuren übergeben. A ist der universelle Interaktionsknopf, B der Rempelknopf (Aufladen ermöglicht Rempler mit höherer Reichweite), mit Z passt man den Stern dem Partner zu und mit unten auf dem Steuerkreuz verwandelt man sich in Rainbow oder zurück in Nick.

Besondere Erwähnung verdient die perfekte Präsentation. Diese beginnt mit dem tollen Soundtrack, aber auch die Grafik kann überzeugen. Nun ist die Wii nicht die mächtigste Konsole dieser Generation, doch kranken viele Spiele daran, dass sich die Entwickler einfach keine Mühe geben und oft nicht mal das Niveau des noch schwächeren Vorgängers Gamecube erreichen. Captain Rainbow ist auch nicht das technisch beste Spiel auf der Wii, aber es gibt auch wenig auszusetzen. Skip Ltd. setzen Effekte (das Wasser sieht klasse aus) und 3D-Perspektiven geschickt ein und vor allem der Stil weiß zu gefallen. Karikative Figurengestaltung und farbenfohe, liebevoll detaillierte Hintergründe sorgen für viel Atmosphäre. Das Spiel hat auch eine Pseudo-Sprachausgabe, wie man sie z. B. auch in den alten Klonoa-Spielen findet. Zwar ergibt das Gebrabbel keinen Sinn und man muss eben doch die Untertitel lesen, aber jede Figur hat eine eigene Stimme und die Emotionen kommen gut rüber.

In Japan ist Captain Rainbow am 28.08.2008 erschienen. Eine Veröffentlichung im Westen ist nicht angekündigt. In Japan hat sich das Spiel, obwohl von Nintendo vertrieben, selbst für Wii-Verhältnisse unterdurchschnittlich verkauft, weniger als 10 000 Mal. Das ist jammerschade, denn Captain Rainbow ist locker einer der besten Titel in diesem Jahr, auf allen Konsolen. Es wäre schön gewesen, wenn mehr Leute in den Genuss dieses Spiels gekommen wären. Es hätte die Verkäufe sicherlich eher verdient als beispielsweise Wii Fit, aber auch als Mario Kart Wii oder SSBB. Der Vorteil des ausbleibenden Erfolgs: Es ist extrem günstig zu kaufen, mittlerweile bei Amazon neu günstiger als ich gebraucht ausgegeben habe.

Link: Offizielle Homepage des Spiels (japanisch).

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