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Nippon Connection 2009 – 1. Tag

Auch dieses Jahr findet in der Woche nach Ostern wieder das japanische Filmfestival in Frankfurt statt. Die 9. legte am Mittwoch einen exzellenten Start hin und macht jetzt schon einen noch besseren Eindruck als das letztjährige Festival, das ebenfalls zu überzeugen wusste. Besonders loben möchte ich auch die Organisation, die dieses Jahr bisher sehr viel reibungsloser ausfiel als im letzten, wenn auch die offenbar obligatorischen technischen Probleme nicht völlig ausgemerzt werden konnten.

Living in the Box (Performance-Unit MihaRI)

Bevor der für 19:30 angesetzte erste Film starten konnte, mussten sich die Zuschauer etwas in Geduld üben, wie jedes Jahr wurde vorher eine Performance zur Eröffnung spendiert, deren Vorbereitung immer etwas Zeit in Anspruch zu nehmen scheint. Die Performance war diesmal aber besonders sehenswert. Die Kombination der beiden visuellen Komponenten Tanz und Videoinstallation mit der kakaphonischen Hintergrundmusik erzielte einen sehr interessanten Effekt. Auf der Leinwand hinter der Tänzerin waren einzelne ihrer Körperteile (zu Beginn ihr Ohr, später zunächst eine, dann beide Hände) in einem senkrecht aufgestellten, länglichen Kasten eingesperrt. Sowohl die live aufgeführten Bewegungen der in ihrer Gänze zu sehenden Tänzerin wie auch die von Video eingespielten der der Körperteile waren ruckartig dissonant und scheinbar ziellos und wühlten den Zuschauer eher auf als ihn mit glatter Ästhetik einzulullen. In der vollständigen Aufführung, die am Dienstag um 21 Uhr und am Donnerstag um 19 Uhr im Künstlerhaus Mousonturm zu sehen waren, zeigt die Installation laut Programmheft mehrere Boxen und Körperteile gleichzeitig, aber auch die reduzierte Version am Mittwoch war bereits sehr eindrucksvoll.

Tōkyō Sonata

Wie auch letztes Jahr war der Eröffnungsfilm preisgekrönt, diese Koproduktion (Japan/Niederlande/Hongkong) von 2008 erhielt im selben Jahr den Preis der Jury im Un Certain Regard Programm in Cannes. Anders als im letztjährigen Eröffnungsfilm kam diesmal neben dem Anspruch aber auch die Unterhaltung nicht zu kurz. Interessante Figuren, über die man mehr gleich erfahren wollte, und wohldosierter Humor waren dabei die entscheidenden Faktoren.

Ein Vater, der plötzlich arbeitslos wird und dies vor seiner Familie geheimhalten muss, um nicht seiner Autorität als Versorger beraubt zu werden, ein Sohn, der im 6. und letzten Jahr der Grundschule gegen den Willen des Vaters seine Liebe zum Klavierspiel entdeckt, eine Mutter, die sich nach mehr Freiheit sehnt und einem Auto für ihren frischgemachten Führerschein und ein erwachsener Sohn, der seine Erfüllung außerhalb Japans sucht. Die Demontage des Vaters als Patriarchen bis hin zur Lächerlichkeit hat Tradition in den erzählenden Medien Japans, interessanterweise stammt das ursprüngliche Drehbuch zu diesem Film aber von einem Australier, Max Mannix, der seine Inspiration laut der bei der Vorführung anwesenden Produzentin des Films, KITO Yukie, aus der veränderten Situation in Japan nach dem Zusammenbruch der Bubble Economy in den 80-er Jahren bezog. Aber auch im neuen Jahrtausend ist die Story noch immer (bzw. wieder) aktuell. Regisseur KUROSAWA Kiyoshi setzte den Stoff gekonnt um und erweiterte das Drehbuch um ausführlichere Charakterisierung der anderen Figuren außer dem Vater und Sohn, die der Hauptfokus in Mannix Version waren.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Genius Party

Ein Episodenfilm von 2007 bzw. eine Sammlung von sieben von einander unabhängigen Animationskurzfilmen, die allesamt fantastisch animiert und erzählt sind und mit einer hohen stilistischen Bandbreite sowohl auf visueller wie auch auf thematischer Seite aufwarten. Superheldenparodien, sympathische Zombies, ein Protagonist, der von Doppelgängern seiner Position in der realen Gesellschaft beraubt zu werden droht, eine philosophische Zitatkollage, ein Baby in einer technisierten Umgebung und ein romantischer und gleichzeitig aufregender Schulschwänzausflug, jede der Episoden bietet ein völlig eigenständiges Erlebnis und jede überzeugt.

Der Film hat mit Rapid Eye Movies einen deutschen Vertrieb und soll am 17. Juli in Deutschland auf DVD erscheinen. Am Freitag (heute) läuft außerdem die Fortsetzung Genius Party Beyond.

Link: Offizielle Homepage des Produktionsstudios 4°C (englisch).

Überblick Nippon Connection 2009

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