Zur deutschen Seite.
(Deutsche und englische Artikel,
deutsche Oberfläche.)

Read the German page.
(German and English articles,
with German interface.)

Read the English page.
(Only English articles,
with English interface.)

Zur englischen Seite.
(Nur englische Artikel,
englische Oberfläche.)

Nippon Connection 2009 – 2. Tag

Auch am Donnerstag habe ich mir wieder alle Filme angesehen, die im Rahmen des Nippon Cinema Programms gezeigt wurden. Das Festival hat mit Videoproduktionen (Nippon Digital), Retrospektiven (Nippon Retro, dieses Jahr über Pink-Filme) und kulturellem Rahmenprogramm (Nippon Culture) natürlich noch viel mehr zu bieten, aber ich konzentriere mich für gewöhnlich auf die Kinoproduktionen. Nippon Cinema zeigt aktuelle Filme, selten älter als ein Jahr und alle Filme, die ich im folgenden beschreibe, stammen aus dem Jahr 2008.

Vacation (Kyūka)

Schauplatz dieses Dramas von KADOI Hajime ist der Todestrakt einer japanischen Strafanstalt, dessen Alltag am Beispiel eines Häftlings und seiner Wärter dargestellt wird. Das Verbrechen, für das der Insasse KANEDA zum Tode verurteilt wurde, wird im Film nicht offen benannt, eine kurze Halluzinationsszene in seiner Zelle und der Besuch seiner jüngeren Schwester geben dem Zuschauer aber recht klare Hinweise. Hauptfigur ist jedoch einer der Wärter, HIRAI, der bald die alleinerziehende Mika heiraten wird, die einen Sohn im frühen Grundschulalter mit in die Ehe bringt. Die Darstellung der Entwicklung seiner Beziehung zu seiner neuen Familie ergänzt den Film um Szenen außerhalb des abgegrenzten Gefängniskosmoses.

Den Wärtern, die bei der unausweichlichen Vollstreckung des Urteils teilnehmen, wird Sonderurlaub von bis zu einer Woche gewährt, was für den traumatisierenden Effekt dieser Aufgabe entschädigen soll. Der Film hält sich mit Wertungen zurück und zeigt einfach nur, wie schwer die Situation sowohl für den Täter wie auch für die Vollstrecker seiner Strafe ist. Es bleibt also dem Zuschauer überlassen, die Frage nach richtig und falsch zu stellen. Letztlich bestätigt der Film die Institution Todesstrafe, ohne sie aber zu rechtfertigen. Vielmehr zeigt er, wie sich Menschen mit Gegebenheiten arrangieren (können).

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

20th Century Boys (Ni-jū seiki shōnen)

Wer die Comic-Vorlage von URASAWA Naoki kennt, weiß, was ihn hier erwartet. Regisseur TSUTSUMI Yukihiko ist es gelungen, weit über 1000 Seiten Comic ziemlich originalgetreu in 142 Minuten zu packen. In insgesamt drei Filmen (von denen der erste auf der gezeigt wurde) deckt er 22 Bände (plus die beiden der Fortsetzung) von je etwa 200 Seiten ab. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, das Budget von 6 Milliarden Yen (etwa 46 Millionen Euro) hat sich definitiv ausgezahlt.

Kenji und seine Freunde aus Kindheitstagen sind ganz gewöhnliche Erwachsene, die mit einer außergewöhnlichen Aufgabe konfrontiert sind. Ähnlich wie Alan Moores Watchmen wirft 20th Century Boys die Frage auf, was passieren würde, wenn jemand Comicheldenfantasien in die Tat umsetzen würde. In zeitlich ständig wechselnder Perspektive wird spannend rekonstruiert, wie die Protagonisten sich als Kinder zunächst ausmalen, dass ein böser Schurke zum Ende des 20. Jahrhunderts die Menschheit auslöschen wird und wie dieses Schreckensszenario schließlich von einem maskierten Sektenführer in der Gegenwart in die Tat umgesetzt wird, in all seinen lächerlichen, aus kindischen Comicfantasien entsprungenen Details. Kenji und seine Freunde müssen die Rolle der weltrettenden Helden ausfüllen, werden von dem Schurken, der nur unter dem Namen Freund bekannt ist, in den Augen der Welt aber als böse Terroristen dargestellt.

URASAWAs Kommentar zum Wandel in der japanischen Comiclandschaft und deren zunehmende fizierung fällt deutlich konservativer aus als der von SATOMI Tadashi, dessen Spiel Persona 2 Innocent Sin im selben Jahr (1999) wie der erste Band von 20th Century Boys erschien, und zu dem Film wie Comic deutliche Parallelen aufweisen. Man muss mit URASAWAs Aussage nicht übereinstimmen, aber das hohe erzählerische Niveau und die Bedeutung des Werkes im Kontext japanischer Comicgeschichte sprechen für sich.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Still Walking (Aruite mo aruite mo)

Filme über Familientreffen sind so zahlreich, sie stellen praktisch ein eigenes Untergenre des Drama. Dieser Vertreter unterscheidet sich jedoch schon durch den Anlass von ähnlichen Filmen aus dem Westen. Kein Feiertag, sondern der Todestag des ältesten Sohnes führt die Familie YOKOYAMA zusammen. Junpei hätte in die Fußstapfen seines Vaters treten und dessen Arztpraxis übernehmen sollen, ist aber vor 15 Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Sein mittlerweile 40 Jahre alter Bruder Ryōta weigerte sich, an seine Stelle zu treten und ging eigene Wege. Er und seine ältere Schwester besuchen am Todestag ihres Bruders mit ihren Familien das Haus ihrer Eltern.

Mit witzigen, aber authentischen Dialogen, psychologisch überzeugenden Charakteren und leisen Konflikten zwischen den Generationen zeichnet Regisseur KORE-EDA Hirokazu ein differenziertes Bild einer japanischen Familie im neuen Jahrtausend. Er muss keine Extreme bemühen, um Probleme zu beleuchten.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch/englisch).

Ichi

Die Geschichte des blinden Schwertkämpfers Zatōichi wurde oft adaptiert, zuletzt sehr modern von KITANO Beat Takeshi. Diese neue Version von Regisseur SORI Fumihiko fällt deutlich orthodoxer aus, variiert den Stoff aber geschickt, indem sie die Hauptfigur diesmal zu einer Schwertkämpferin macht (gespielt von AYASE Haruka). Tatsächlich hat Ichi alles, was ein guter Samurai-Film braucht, lediglich der finale Showdown hätte etwas weniger vorhersehbar sein dürfen.

Rapid Eye Movies wird den Film ab dem 14. Mai deutschlandweit in die Kinos bringen. Zwar reicht er an die KITANO-Version nicht heran, ist für sich aber ein sehr gelungener Genrefilm und gerade wegen seiner othodoxen Umsetzung für einige Fans vielleicht sogar die bessere Wahl.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Überblick Nippon Connection 2009

Stichworte: , , ,
Autor:

Einen Kommentar abgeben