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Nippon Connection 2009 – 3. Tag

Der Freitag war deutlich trüber und kühler als die Tage davor, was von der Festivalleitung durchaus begrüßt wurde, da das schöne Wetter dem Kinoprogramm nun keine Konkurrenz mehr machte. Trotz des an den beiden Vortagen schon hohen Niveaus konnte sich das Programm nochmal steigern, sowohl qualitativ wie auch quantitativ. Beginnend mit der 12 Uhr-Vorstellung wurden fünf Filme aus dem Jahr an diesem Tag gezeigt.

Genius Party Beyond

Diese Fortsetzung der am Mittwoch gezeigten Animationskurzfilmsammlung enthält fünf Episoden, die eigentlich schon im Original hätten enthalten sein sollen, bis zu dessen Veröffentlichung aber nicht mehr fertiggestellt werden konnten. Die längere Produktionszeit sieht man dem Film an, er ist noch mal ein ganzes Stück besser als der fantastische Vorgänger. Besonders gefallen hat mir die Episode MOON DRIVE von Regisseur und Figurengestalter NAKAZAWA Kazuto. Der Regisseur der Episode Tōjin Kit, TANAKA Tatsuyuki, war anwesend und beantwortete nach den Vorführungen der beiden Genius Party-Filme die Fragen des Publikums.

Link: Offizielle Homepage des Produktionsstudios 4°C (englisch).

Ōsaka Hamlet

Die Brüder Yukio, Masashi und Hasanori könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines haben sie gemeinsam: Nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters sind sie alle sehr sexuell verwirrt. Der Furyō-Schläger Yukio wird von seinem Lehrer mit Hamlet verglichen, was ihm nach hart erarbeiteter Lektüre dieses Stücks bitter aufstößt und ihn seine Mutter in einen ganz neuen Licht sehen lässt. Sein älterer Bruder Masashi beginnt eine Beziehung mit einer älteren Studentin, die den Mittelschüler wegen seines Äußeren für einen Studienanfänger hält und ihren Elektrakomplex an ihm auslebt. Und sein jüngster Bruder Hasanori erkennt, dass er viel lieber ein Mädchen wäre.

Regisseur MITSUISHI Fujirōs Verfilmung von MORISHITA Hiromis Comicvorlage ist eine großartige Komödie und war verdient Platz 2 in der Gunst um den Publikumspreis.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

The Kiss (Seppun)

Die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebesbeziehung zwischen einem grausamen Mörder, SAKAGUCHI, der seine Tat und selbst herbeigeführte Verhaftung offenbar zu seiner eigenen Belustigung inszeniert hat und der jungen Kyōko, die es leid ist, ausgenutzt und ignoriert zu werden, und in dem Mörder eine verwandte Seele erkennt, die sich getraut hat, ihrer Frustration Ausdruck zu verleihen. Der Pflichtverteidiger SAKAGUCHIs fungiert zunächst als Vermittler, weil er sich durch Kyōko Zugang zu dem verschlossenen SAKAGUCHI erhofft, muss dann aber zusehen, wie die Situation immer ungesundere Ausmaße annimmt.

Regisseur MANDA Kunitoshi zeichnet die selbstzerstörerische Psyche seiner Figuren sehr überzeugend, eindringlich und für den Zuschauer verstörend.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

GS Wonderland

Die Beatles-Welle schwappt in den 60-er Jahren auch nach Japan und löst einen Boom des sogenannten Group Sounds aus. Jeder will mit einer solchen Band groß rauskommen, träumende junge Männer genauso wie die Plattenfirmen. Für die junge Miku (gespielt von KURIYAMA Chiaki) scheint in dieser Musiklandschaft kein Platz zu sein, doch dann erhält sie eine Chance als vierter „Mann“ in einer GS-Band.

Regisseur HONDA Ryūichi setzt seiner Liebe zu der Musik der 60-er Jahre hiermit ein filmisches Denkmal. Die Figuren, Situationen und fiktiven Bands des Films sind so überzogen und brüllend komisch, dass man seinen Anspruch, ein realistisches Bild der Zeit zu zeichnen, zuerst nicht glauben will, aber die tatsächlichen damaligen Bands waren nicht weniger skurril und legen den Verdacht nah, dass die Satire ziemlich ins Schwarze trifft. Der Film sowie der zu seiner Präsentation anwesende Regisseur kamen beim Publikum auch sehr gut an, dem überschwänglichen Applaus nach hatte ich ihm sogar gute Chancen beim Publikumspreis zugetraut, aber es fanden sich dann wohl doch andere Favoriten.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Yariman (Bara/Ya.ri.ma.n.)

Der letzte Film am Freitag-Abend war wie jedes Jahr wieder ein sogenannter Pink-Film, was das japanische Wort für Softsexfilme ist. Die Regisseure dieser Filme haben, was die Narrative angeht, sehr viele Freiheiten, solange sie nur genug Sexszenen darin unterbringen. In den vergangenen Jahren wurden sehr experimentierfreudige Vertreter des Genres gezeigt, die sowohl durch ihre ungewöhnlichen Plots wie auch durch die manchmal komischen (absichtlich, nicht unfreiwillig), aber trotzdem erotischen Sexsinszenierungen überzeugten.

SAKAMOTO Reis Film behandelt Themen wie Tod und Promiskuität und kommt mit erstaunlich wenigen (und kurzen) Sexszenen aus und konzentriert sich mehr auf die Handlung. Hier offenbaren sich auch Limitationen des Genres, Budget und schauspielerische Leistungen genügen der ernsten Inszenierung nicht immer, mich zumindest hatten die weniger ernsten Filme der letzten Jahre mehr überzeugt. SAKAMOTO war ebenfalls anwesend und beantwortete nach dem Film die Fragen des Publikums.

Überblick Nippon Connection 2009

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