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Nippon Connection 2009 – 4. Tag

Nachdem das Programm am Mittwoch auf hohem Niveau begann und sich jeden Tag steigern konnte, erreichte es am letzten Samstag dann schließlich seinen Höhepunkt. Es macht Sinn, dass man sich die besten Filme für das besucherreiche Wochenende aufgehoben hatte. Und bereits bei der 12 Uhr Vorstellung war der Saal voller als in manchen späteren Vorstellungen der Vortage. Wie am Freitag wurden fünf Filme aus dem Jahr 2008 gezeigt.

Detroit Metal City

Wie so viele japanische Filme, nicht nur auf dem Festival, ist auch dieser eine Adaption einer Comicvorlage. Regisseur LEE Toshio setzte den übertriebenen Humor des Mangas von WAKASUGI Kiminori sehr mediumsnah um und MATSUYAMA Ken’ichis Interpretation des Protagonisten NEGISHI/Krauser II. ist angemessen campig. NEGISHI träumt eigentlich von einer Popkarriere mit seichtem Tralala-Pop, hat aber nur als Krauser II. mit der Deathmetal-Band Detroit Metall City Erfolg, die ihm zutiefst zuwider ist. Die Doppelidentität zweier widersprüchlicher Charaktere verkörpert MATSUYAMA perfekt. MATSUYAMA hat übrigens auch den L in der „Death Note“-Verfilmung gespielt, eine Rolle die dieser hier ähnlicher ist, als man denken mag.

DMC war am Ende der Gewinner in der Gunst des Publikums und gewann den Nippon Cinema Award, der am Sonntagabend verliehen wurde. Der ähnlich gute GS Wonderland, ebenfalls ein Musikfilm, ebenfalls über den Erfolg einer westlichen Musikrichtung in Japan, ging hingegen leer aus. Tatsächlich waren diese beiden Filme die einzigen auf dem Festival, die einander ähnlich genug sind, um sie miteinander zu vergleichen, auch wenn der Erfolg von Deathmetal anders als der des Beatles-inspirierten Group Sounds rein fiktiv ist und eher eine Anspielung auf eine andere japanische Musikrichtung, Visual Kei, die zwar sehr eigentümlich japanisch, aber entfernt von den geschminkten Hardrockern Kiss beeinflusst ist, deren Sänger Gene Simmons in DMC einen amerikanischen Deathmetaller spielt.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Hells Angels

Dieser Zeichentrickfilm nach einem Comic von HIROMOTO Shin’ichi war mein absoluter Favorit im diesjährigen Programm und ich werde ihm daher später noch einen längeren, eigenen Artikel widmen. Anders als bei 20th Century Boys und DMC kannte ich die Vorlage diesmal nicht und konnte nicht ahnen, was für ein Meisterwerk mich erwartete. Beim Publikum kam der Film erwartungsgemäß wohl nicht ganz so gut an, zu eigensinnig war der Erzählstil, zu esoterisch die zitierten Motive, zu anstrengend die Botschaft. Regie führte YAMAKAWA Yoshinobu, die Figurengestaltung übernahm NAKAZAWA Kazuto, der auch eine Episode zu Genius Party Beyond beigesteuert hatte.

Non-ko (Non-ko 36-sai kaji tetsudai)

Nach einer gescheiterten Schauspielkarriere kehrt die 36-jährige Nobuko (Spitzname Non-ko) zurück ins ländliche Heim ihrer Eltern und hilft dort wenig begeistert im Haus und im Schrein der Familie. Der Straßenhändler Masaru, der wegen eines Schreinfestivals in die Stadt gekommen ist, aber wegen mangelnder (!) Yakuza-Kontakte wenig Chancen auf einen Stand dort hat, kann lediglich auf Unterstützung Nobukos hoffen. Und Nobuko wird plötzlich ein Comeback in Aussicht gestellt. Am Ende stehen enttäuschte Hoffungen und Frustration, die sich in Gewalt entlädt.

Regisseur KUMAKIRI Kazuyoshi war anwesend und erklärte im an den Film anschließenden Q&A z. B., warum er mit Hauptdarstellerin SAKAI Maki einen Film drehen wollte und wie er die Rolle der Non-ko für sie entwickelt hat, und wie er seinen neuen Film im Vergleich zu seinen älteren Werken wie Kichiku, der 1998 auf der Berlinale einen Skandal auslöste, einordnet.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

The Two in Tracksuits (Jāji no futari)

Die brütende Hitze Tōkyōs treibt Vater und Sohn in die Provinz. Sie verbringen den Sommer in einem abgelegenen Ferienwohnsitz in den Wäldern, wo es fast schon zu kühl ist. Daher tragen sie die ganze Zeit wenig modische Trainingsanzüge, Restbestände von umliegenden Grundschulen. Skurrile Ideen und geschickt entwickelte Running Gags auf der einen, interessante und trotz aller Übertreibung authentische Figuren auf der anderen Seite, NAKAMURA Yoshihiros Verfilmung eines Romans von NAGASHIMA Yūs weiß zu überzeugen. Letztes Jahr war er mit The Foreign Duck, the Native Duck and God in a Coin Locker sogar zweiter in der Gunst des Publikums, dieses Jahr war die Konkurrenz jedoch zu groß.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Parting Present (Omiyage / Mofuku no mibōjin – hoshii no…)

Der Grund, warum jedes Jahr mindestens ein, dieses Jahr sogar zwei Pink-Filme im Rahmen des Nippon Cinema Programms und zusätzlich noch eine Retrospektive über dieses Genre gezeigt wurden, liegt darin, dass in Japan die Regisseure dieser Sexfilme sehr viel Freiheiten haben, um die Sexszenen herum ungewöhnliche Geschichten zu erzählen. Dieser Vertreter vom Altmeister des Genres, WATANABE Mamoru (bei der Vorführung anwesend), ist dafür aber kein wirklich gutes Beispiel. Kaum unterscheidet er sich von hiesigen Sexfilmen und konzentriert sich mehr auf die Essenz der Filme als auf die Handlung. Zwar genügt diese als Aufhänger für die ansprechend umgesetzten Erotikszenen, doch anders als in den Vorjahren konnten die Pink-Filme mit den anderen Filmen diesmal qualitativ nicht mithalten (das gilt natürlich nur fürs Nippon Cinema, die im Nippon Retro parallel gezeigten Filme konnte ich nicht sehen).

Überblick Nippon Connection 2009

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