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Nippon Connection 2009 – Letzter Tag

Am Sonntag kehrte das schöne Wetter nach zwei Tagen Abstinenz zu alter Form zurück und es kamen nicht mehr ganz so viele Zuschauer wie noch am Samstag. Im Nippon Cinema wurden am letzten Tag nur drei Filme gezeigt, von denen aber gleich der erste mit einer Länge von 237 Minuten den Platz von zwei normalen Filmen einnahm. Auch am letzten Tag konnten die gezeigten Filme überzeugen, die fünf Tage vom 15.04.09 bis 19.04.09 waren für mich die mit der bislang besten Ausbeute an erstklassigen Filmen.

Love Exposure (Ai no mukidashi)

Diesen 4-stündigen Film von SONO Sion aus dem Jahr 2008 habe ich als einzigen des Nippon Cinema-Programms ausgelassen. Die Inhaltsangabe, die ich mir normalerweise erst nach Ansehen der Filme durchlese, weil ich unbelastet in die Vorstellungen gehen will, klingt jetzt, eine Woche später, zwar sehr interessant, und auch ein anderer Film SONOs, Noriko’s Dinner Table (Noriko no shokutaku) von 2005, den ich vor zwei Jahren auf der NC 2007 gesehen habe, war durchaus sehenswert, doch war bereits dieser um die drei Stunden lang und sehr anstrengend. SONO verlangt seinen Zuschauern viel ab. Dieses Jahr verpasst, habe ich mir aber mal den Kauf der DVD vorgemerkt.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Kakumei Shōjo – Men Imagining a Girl Revolution (Vortrag)

Um 15 Uhr hielt Sharon Kinsella im Rahmen des Nippon Culture-Programms einen Vortrag über revolutionäre Mädchenfiguren in der japanischen Popkultur und stellt die Frage, warum die Urheber dieser Figuren fast alle männlich sind. Die einzige Veranstaltung, die ich außerhalb des Nippon Cinema-Programms besuchte, war der eigentliche Grund, warum ich Love Exposure geschwänzt habe. Kinsellas Buch Adult Manga von 2000 ist eines der umfassendsten englischen Werke zum Thema japanische Comics, mit Schwerpunkt auf den Verlagsstrukturen hinter dem Medium Comic und auf Werke für ältere Leser (u. a. Gekiga, Seinen Manga und die Dōjinshi der ). Das langerwartete Nachfolgewerk, Girls and Male Imagination : Fantasies of rejuvenation in contemporary Japan ist schon seit Jahren angekündigt und dieser Vortrag bot schon mal einen Vorgeschmack auf dessen hoffentlich baldige Veröffentlichung.

Durch den Titel hatte ich schon eine ziemlich klare Vorstellung, was mich erwartete, doch wie schon in Adult Manga wusste Kinsella zu überraschen, behandelte vor allem auch die politischen Implikationen des Phänomens und zeigte Parallelen der Fantasien zur Realität auf, am Beispiel des sogenannten Enjō Kōsais, bezahlten Dates mit Schulmädchen, die oft die Grenze zur Prostitution überschreiten. Auf den ersten Blick alles andere als revolutionär, doch viele der sich vermeintlich prostituierenden Schulmädchen locken ihre „Freier“ in eine Falle, um ihnen ihr Geld ohne Gegenleistung abzuknöpfen, setzen sie sie mit Elektroschockgeräten außer Gefecht oder verbünden sich mit gleichaltrigen Jungen und machen regelrecht Jagd (Oyaji-gari) auf ihre Kunden, die alt genug sind, um ihre Väter sein zu können. Kinsella bezog sich auch auf den Film Bounce Ko Gals über eben dieses Thema von Regisseur HARADA Masato aus dem Jahr 1997, der auf der allerersten Nippon Connection 2000 als Abschlussfilm gezeigt wurde und damals mein Favorit war.

Homepage von Sharon Kinsella (englisch).

Talk Talk Talk (Shaberedomo shaberedomo)

Ein Film über Rakugo, eine traditionelle japanische orale Erzählform, bei der der Erzähler alle Rollen selbst interpretiert und sein Publikum mit witzigen Geschichten unterhält. TOYAMA ist selbst nicht gerade der beste oder erfolgreichste Rakugo-Erzähler, doch lässt er sich dazu überreden, Unterricht in seiner Kunst zu geben. Schließlich sind es sogar drei Schüler, die zwar keine ernsthafte Ambitionen haben, diese Kunst professionell auszuüben, sich aber mehr verbale Kompetenz im Alltagsleben erhoffen. Dieser Film aus dem Jahr 2007 von HIRAYAMA Hideyuki zeigt einmal mehr den Facettenreichtum der Filmauswahl des Festivals, nicht nur in diesem Jahr. Sehr unterhaltsam bringt er dem Zuschauer eine auch in Japan in Vergessenheit zu geraten drohende traditionelle Kunst näher, mit Erfolg, er war der dritte in der Gunst des Publikums um den Nippon Cinema Award.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

All Around Us (Gururi no koto)

HASHIGUCHI Ryōsuke neues Werk aus dem Jahr 2008 thematisiert die Ehe von Shōko und Kanao über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Kanao nimmt eine Stelle als Gerichtszeichner an, als der er für einen TV-Sender Porträts von Angeklagten anfertigt, die nicht mit Kameras gefilmt werden dürfen. So bizarr die Fälle teilweise sind, mit denen er bei seiner Arbeit konfrontiert wird, so zynisch ist der Umgang seiner fernsehschaffenden Kollegen mit diesen Fällen, die sie als Unterhaltung verkaufen. Auch Shōkos Arbeit als Redakteurin für einen kleinen Verlag ist nicht weniger stressig, doch es sind andere Schicksalsschläge, die sie in Depressionen treiben. Kanaos stoische Gefühlsverleugnung gibt Shōko wenig Halt, sie wünscht sich mehr emotionales Feedback von ihm.

In der Eröffnungsszene erinnert der Film mit seinen offenen Gesprächen über Sex einen Moment lang fast an Sex and the City, doch zeigt er dem westlichen Zuschauer noch auf ganz anderen Ebenen kulturelle Unterschiede auf, was man in Japan alles offen ansprechen kann und was eben nicht. Die Sensibilitäten unterscheiden sich ziemlich, entgegen der allgemeinen Auffassung, Japaner seien immer höflich und zurückhaltend, sind sie oft direkter, als es wiederum in westlichen Kulturkreisen angemessen wäre.

Link: Offizielle Homepage des Films (japanisch).

Überblick Nippon Connection 2009

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