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Crystal Bearers

Heute morgen um kurz nach 3 habe ich Crystal Bearers durchgespielt, gerade noch rechtzeitig bevor es am 26.12. in Amerika erscheint und noch wichtiger, bevor mir die Post diese Tage FFXIII vorbeibringt. Ich warte ja meistens bis zum Durchspielen, bevor ich mich zu einem Spiel hier im Blog ausführlich äußere, doch bei diesem musste ich mich doch sehr beherrschen. Square erbringt hier den Beweis, dass fantastische Grafik auf der machbar ist und ab sofort gibt es in dieser Hinsicht keine Entschuldigungen mehr. CB sieht nicht aus wie ein guter PS2- oder GC-Titel, sondern eher wie ein HD-Titel, bloß eben nicht in HD. Die Auflösung mag kleiner sein, die Größe der Umgebungen, die Details, die Anzahl animierter und interaktiver Objekte, die frei schwenkbare Kamera, Square bestätigt mir, dass ein Spiel vom grafischen Kaliber eines Mirror Edge’s auf der Wii machbar ist, bis auf die technisch bedingt niedrigere Auflösung.

Klar, im Vergleich zu dem vor einigen Tagen erschienen großen Bruder FFXIII mag es nicht ganz so hübsch aussehen, aber alle FF-typischen narrativen und cinematographischen Techniken, die man seit der Playstation von gewohnt ist, sind da und das einzige, was dem typischen FF-Fan den Spielspaß verleiden könnte (und in Japan angesichts der verherrend niedrigen Verkäufe wohl auch bei vielen der Fall war), ist die Tatsache, dass es kein RPG mehr ist. Nicht mal ein Action-RPG, sondern ein Action-Adventure, ohne Erfahrungspunkte oder Level und ohne ständige Monsterbegegnungen.

Stattdessen spielt man einen der Crystal Bearers, Menschen, die mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind und daher vom Rest der Welt gefürchtet und geächtet werden. (Anti-/Super-)Held Layle hat telekinetische Fähigkeiten und kann auf alle möglichen Dinge durch Anvisieren mit dem Zeiger und Drücken von B selbst aus der Entfernung Einfluss nehmen, und sie dann durch Schwingen der Fernbedienung in eine von vier Richtungen ziehen. Diese Spezialfähigkeit passt perfekt, um die Wii-Steuerung für traditionelles Gameplay nutzbar zu machen, und ich würde sagen, Square hat das Kunststück geschafft und ein besseres „nur möglich auf Wii“-Spiel zu machen als selbst Nintendo. In dieser Hinsicht kann es The World Ends With You für DS in jeder Hinsicht das Wasser reichen.

Kämpfe mit Monstern nehmen einen recht kleinen Teil des Spiels ein und sind fast alle auch komplett zu vermeiden, außer den wenigen Storykämpfen, einer davon recht früh mit einem prominenten Beschwörungsmonster. In dünn bis unbesiedelten Arealen tauchen in bestimmten zeitlichen Abständen Monster auf, die dann im selben Bildschirm nahtlos wie in FFXII bekämpft werden können. Dieser Vergleich nur, um das ähnlichste FF anzuführen, eigentlich haben die Kämpfe genrebedingt mehr mit Spielen wie gemein. In Kämpfen kann man nützliche Items und Geld erhalten, aber nur wenn man alle Monster im Zeitlimit erledigt, winkt einmalig pro Areal eine zusätzliche Lebensenergieeinheit. Das heißt, man kann also doch auch hier RPG-typisch grinden, was aber nicht wirklich notwendig ist. Durch das Zeitlimit muss man effektiv kämpfen und nicht nur den eigenen Tod vermeiden (dank häufiger manueller und automatischer Speicherpunkte auch kein Beinbruch). Das erhöht die Befriedigung, ein Areal einmal komplett von Monstern gesäubert zu haben, aber auch den Frust, falls es wiederholt nicht klappt, auch weil man dann immer warten muss, bis sie erneut auftauchen. Abhilfe schafft, dann einfach weiterzugehen und irgendetwas anderes zu machen.

Ähnlich wie in Zelda gibt es nämlich unzählige Dinge neben der Hauptstory zu erledigen. Überhaupt nimmt der Titel geschickt Anleihen bei allen möglichen Spielen, besonders auch -Spielen wie GTA. Spielt man nur die Hauptstory, kann man in 15 Stunden oder weniger fertig sein, aber versucht man alle Awards (vergleichbar mit Erfolgen oder Trophäen) für die Nebenmissionen zu bekommen, hat man deutlich länger zu tun. Für die Awards haben die Entwickler sich etwas nettes ausgedacht, sowohl bereits erhaltene wie noch zu findende Awards haben eine kurze Beschreibung, die auf einer schachbrettartigen Liste angeordnet sind. Sichtbar sind aber nur die erhaltenen Awards und ihre direkten Nachbarn, d. h. für jeden neuen Award bekommt man bis zu vier Hinweise auf weitere Awards.

In diesem Screenshot von IGN aus der englischen Version sieht man sehr schön die Awards (bzw. englisch Medals).

Mit Ausrüstungsgegenstände lassen sich Attribute wie Angriffskraft, Verteidigung, Konzentration, Reichweite und Glück in einstelliger Größenordung verbessern. Konzentration senkt dabei die Dauer, die Layle etwas im Visier behalten muss, bevor er es telekinetisch packen kann. Es gibt drei Arten von Ausrüstungsgegenständen, die fertig gekauft werden können (sehr teuer) oder aus Materialien angefertigt werden können (billiger, aber die Materialien sind teilweise schwer aufzuspüren).

Die Welt von CB ist riesig, abwechslungsreich und wunderschön. Alle Areale sind nahtlos miteinander verbunden, es gibt Chocobos, um durch sie zu reiten, Züge, um schnell von einer Gegend zur anderen zu kommen und überall alle möglichen Dinge zu entdecken, mit denen man interagieren kann. Kisten und NPCs sind da noch die offensichtlichsten, aber eben längst nicht die einzigen. NPCs mit denen man reden kann sind selten, dafür kann man ihnen bei ihrer Arbeit oder sonstigen Beschäftigungen helfen, oder auch stören und sogar ausrauben. NPCs wie Monster haben verschiedene Stimmungen, die man an einem Symbol über ihrem Kopf erkennen kann, und die sich auch ändern, je nachdem, wie man sich selbst verhält. Die Welt fühlt sich komplett an und lebendig und entfaltet ihre volle Faszination erst, wenn man die kurze Hauptstory hin und wieder eine Weile links liegen lässt. Aber selbst wenn man nur der Story folgt, kriegt man genug vom Spiel mit, um einen Eindruck zu bekommen, was für ein Aufwand für diesen Titel betrieben wurde.

Großes Lob auch an Produzent und Co-Szenario-Autor KAWAZU Akitoshi. Die Schauspieler und die großartig inszenierten FF-typischen Zwischensequenzen schaffen eine tolle Atmosphäre und bringen seine Geschichte hervorragend rüber.

Crystal Bearers ist am 12.11.2009 in Japan erschienen und für den 26.02.2010 für Europa angekündigt.

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