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NC2010 Impressionen: Zero Focus

Zero Focus (Zero no shōten), die Verfilmung eines Romans von einem der großen Nachkriegskrimiautoren Japans, MATSUMOTO Seichō, spielt in den späten 50er Jahren, in denen eine frischgebackene Ehefrau, Teiko, vor dem Hintergrund der erste Erfolge feiernden Frauenbewegung, dem Verschwinden ihres Mannes nachgeht. Der Film lief direkt im Anschluss an Kaiji, und der Kontrast zwischen dessen simpler Weltanschauung und Zero Focus‚ differenziertem Porträt des frühen Nachkriegsjapan hätte nicht größer sein können.

Teikos Ermittlungen können zwar ihren toten Mann nicht zurückbringen, wohl aber weiteren Menschen den Tod. Um seine Spuren zu verwischen, muss der Täter immer mehr Menschen aus dem Weg schaffen, eben die einheimischen Helfer bei Teikos Ermittlungen. Einen der wichtigsten Hinweise auf den Täter liefert Teiko selbst mit einer entlarvenden Beobachtung schon früh im Film, doch irgendwie deckt sie nur die traurigen Umstände eines sinnlosen Mordes auf, der sich durch die Ermittlungen zu einer immer weitere Kreise ziehenden Serie entwickelt. Das führt dazu, dass meine Sympathien am Ende eher beim Täter lagen, als bei der Ermittlerin Teiko, für deren selbstsüchtige Aufklärung einem irgendwann das Verständnis ausgeht.

Zero Focus ist ein moderner Krimi, der auf simple Gut-Böse-Darstellung verzichtet und sich stattdessen mit den Ursachen und den Umständen des Verbrechens auseinandersetzt. Als wahrer Verbrecher entlarvt sich schließlich die Gesellschaft mit ihren konservativen Denkmustern.

Wer den Film gesehen hat, interessiert sich vielleicht dafür, dass ein ähnliches Thema auch schon in Injū von EDOGAWA Ranpo, einem Pionier des japanischen Detektivromans und damit Vorläufer MATSUMOTO Seichōs, bearbeitet wurde, das von den erzählerischen Methoden zwar eher mit Kaiji zu vergleichen ist, aber überraschend ähnliche Konstellationen wie Zero Focus aufweist.

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