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Moe: Einen Baum pflanzen

Vorsicht: Dieser Artikel enthält Spoiler zu Ys, Mystic Quest, Final Fantasy V, Final Fantasy VII, Vagrant Story und No More Heroes 2!

The Saint for Atonement, Zeichnungen: SHIRAKURA Yūmi, Text: ŌTSUKA Eiji

宇宙の始まりであり (uchū no hajimari de ari)
生命の樹でもある (seimei no ki de mo aru)
「萌え出ずる樹」を („moeizuru ki“ wo)
植えることによって (ueru koto ni yotte)
私達の未来が (watashi-tachi no mirai ga)
始まるとするならば (hajimaru to suru naraba)
(あるいは遠い過去と未来を ((arui ha tōi kako to mirai wo)
つなぐとするならば) (tsunagu to suru naraba))
私達は (watashi-tachi ha)
いったいそれを (ittai sore wo)
どこに植えればよいのだろう (doko ni uereba yoi no darō)
その場所を (sono basho wo)
みつけることが (mitsukeru koto ga)
きっと私達が (kitto watashi-tachi ga)
生き残っていけるシルシになる (ikinokotte ikeru shirushi ni naru)

Wenn unsere Zukunft durch Pflanzen des „sprießenden Baums“ beginnt (bzw. die ferne Vergangenheit und die Zukunft durch ihn verbunden werden), dem Baum, der sowohl der Anfang des Universums ist wie auch der Baum des Lebens, wo können wir ihn denn nur pflanzen? Diesen Ort zu finden, das wird sicherlich einmal davon zeugen, dass wir überleben konnten.

Video: Ys Book 1 & 2 (1989)

So schreibt ŌTSUKA Eiji 1991 in seinem Comic Tsugunai no seisha (The Saint for Atonement), gezeichnet von seiner damaligen Lebensgefährtin SHIRAKURA Yūmi. Er ist im Stil eines shōjo manga geschrieben und nimmt mit dem Wort moeizuru (hervorsprießen) den später aufkommenden Begriff des sogenannten moe vorweg, womit die Gefühle von Otaku für Comicfiguren u. ä. bezeichnet werden. In dieser Auslegung handelt es sich bei moe um das Wachsen des Baum des Lebens. Dieser spielt in vielen Variationen eine wichtige Rolle in allen möglichen Fantasy-RPGs.

Video: Mystic Quest (1991)

In Final Fantasy III wurde mit dem Mana Baum ein solcher Baum etabliert, der zur Grundlage einer ganzen eigenen Serie wurde, der „Seiken Densetsu“-Reihe, deren bekanntester Teil bei uns unter dem Titel Secret of Mana veröffentlicht wurde. Im ersten Teil für den Gameboy, der noch den Untertitel Final Fantasy Gaiden trug (in Amerika lautete der komplette Titel Final Fantasy Adventure, bei uns Mystic Quest), stellt sich der Mana-Baum als Mutter der weiblichen Hauptfigur Sara heraus. Sie wird zum nächsten Mana-Baum und zur Mutter des Helden der Fortsetzung. Der Baum symbolisiert die Natur, also die Mutter, ihre Beständigkeit und Gebundenheit an einen Ort, aber auch die Familie und den Vater, der den Samen in der Mutter pflanzt. Und natürlich das Wertesystem, das in der Familie verkörpert wird. Zumindest hat Sara die Wahl, aber es scheint doch trotz allem ein schweres Schicksal zu sein.

Video: Secret of Mana (1993)

Der Szenario-Autor des ersten Mana-Teils war noch KITASE Yoshinori, der danach ab dem 5. Teil von Final Fantasy die Mutterserie, von der sich Seiken Densetsu abgespalten hatte, als Regisseur, Autor und Produzent entscheidend prägen sollte. Teil 2 der Tochterserie, Secret of Mana für das SNES, war hingegen geistiges Kind von TANAKA Hiromichi, der schon Regisseur von Final Fantasy III war und bei Secret of Mana die Rollen des Produzenten, des Konzept- und Systemdesigners und des Szenario-Schreibers ausfüllte. Neben dem Mana-Baum übernahm die Mana-Reihe den Chocobo und die Moogle aus Final Fantasy, die auch nach Teil 3 noch eine wichtige Rolle in der Serie spielten.

Video: Final Fantasy V (1992)

Der Lebensbaum kehrte in KITASEs Final Fantasy V in korrumpierter Form zurück, als den Tod transzendierender Schurke Exdeath (Abkürzung von exceeding death). Exdeath war von der älteren Generation der Krieger des Lichts bis auf einen fremden Planeten verfolgt und dort versiegelt worden. Statt das Unheil der verschmutzten Umwelt also zu lösen, wurde es nur in eine andere Welt verschoben bzw. in eine andere Generation, sowohl sekai (Welt) wie sedai (Generation) enthalten dasselbe Zeichen se, das Zeitalter aber auch Gesellschaft bedeutet. Die junge Generation von Kriegern des Lichts muss sich nun mit demselben Schurken herumschlagen, dessen Siegel durch Raubbau an der Natur in der zweiten Welt aufgebrochen wird. Die älteren Krieger des Lichts werden mit ihrem Versäumnis konfrontiert und die beiden Planeten, die die beiden Generationen getrennt von einander bewohnten, werden von Exdeath zu einer Welt verschmolzen. Der Spieler, der von seiner Welt in die der älteren Generation aufgebrochen war, bereist die Welt dann ein drittes Mal, diesmal eine Mischung aus Lokalitäten beider Welten.

Der kabbalistische Lebensbaum, bestehend aus Sephirothen

Exdeath als korrumpierte Natur, am deutlichsten ist er wohl ein Symbol für Atomkraft, die in Form der Bombe Japan traumatisiert und in Form von Kernkraftwerken seine Bewohner krank gemacht hat. In Teil 7 macht KITASE daraus Makō-Reaktoren. Makō, das bedeutet Dämonenlicht und es ist auch die Energie, die aus Menschen Elite-Kämpfer genannt SOLDIER macht. Der beste von ihnen, eine Art Fantasy-Version des legendären Samurais MIYAMOTO Musashi, heißt Sephiroth. So heißen in der Kabbala auch die Bausteine des Lebensbaums, womit KITASE mit dem Namen Sephiroth erneut dieses Motiv aufgreift. Der Baum als Phallus, der aus der Erde herausragt, wie Sephiroths Schwert aus Aeriths Körper.

Video: Vagrant Story (2000)

Ein anderes wichtiges Motiv von Final Fantasy VII ist allerdings Selbstbetrug, das von MATSUNO Yasumi in Vagrant Story ebenfalls im Zusammenhang mit Familie aufgegriffen wird. In einer idyllischen Szenerie veranstaltet eine Familie ein Picknick unter einem gewaltigen, Schutz vor dem heißen Licht der Sonne spendenden Baum. Als sie rücksichtlos von Terroristen ermordet wird. Aber wer ist eigentlich der Täter und wer das Opfer? Die Erinnerungen von Protagonist Ashley Riot werden auf die Probe gestellt.

Video: No More Heroes 2: Desperate Struggle (2010)

Genau diese idyllische Szenerie von Menschen, die friedlich unter einem Baum die Natur genießen, diese Szenerie, die dann in Gewalt umschlägt, wird von SUDA51 in No More Heroes 2: Desperate Struggle wunderbar parodiert. Eine kleine Lolita hat den Otaku Travis Touchdown aufgespürt und will sich mit ihm im Kampf messen. Sie ist eine Art Stalkerin, verwendet Internet-Slang und veralbert ihn mit einem zuckersüßen Liebesbrief. Der Kampf endet, vielleicht enttäuschend, sehr unblutig. Travis kann einfach keine kleinen Mädchen töten bzw. seinen Samen in ihnen pflanzen.

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