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Hanafuda Koi Koi – Ein japanisches Kartenspiel

Wir kennen Nintendo eher als Hersteller von weltweit hocherfolgreichen Videospielen, allerdings konnte die Firma bereits bei ihrem Einstieg ins Videospielgeschäft in den späten 70ern auf eine fast hundertjährige Geschichte als Hersteller herkömmlicher Spiele zurückblicken. Wichtigstes Produkt waren lange Zeit die Hanafuda-Spielkarten, die Nintendo auch heute noch in Japan anbietet. Es gibt sie in drei mal zwei Ausgaben, die sich aber nur in der Farbe der Rückseite der Karten (schwarz und rot) und im Motiv und der Aufmachung der Schachtel unterscheiden. Die Auswahl des Schachteldesigns bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen bzw. der Größe des eigenen Geldbeutels (s. u.), die unterschiedlichen Farben der Karten dienen der besseren Unterscheidung: Da normalerweise mit zwei Blatt abwechselnd gespielt wird, kann das eine Blatt gemischt werden, während mit dem anderen bereits weitergespielt wird. Daher sind auch idealerweise drei Spieler zugegen, obwohl nur jeweils zwei gleichzeitig gegeneinander antreten.

Hauptstadtblume, Tengu, Präsident und Club Nintendo

Von links nach rechts sieht man das günstige Deck der Hauptstadtblumen (miyako no hana), womit die Flora der ehemaligen Hauptstadt Japans Kyōto gemeint ist, wo auch Nintendos Hauptsitz liegt, das des Waldteufels Tengu und die Luxus-Edition mit dem Motiv eines Meiji-Präsidenten. Zuletzt noch eine Sonderausgabe vom Club Nintendo, in der einige Figuren auf den Karten gegen beliebte Charaktere aus Nintendos jüngeren Videospielen ausgetauscht wurden. Die Decks kosten jeweils 1050, 1575 und 2100 Yen, das Mario-Deck gab es für 400 Punkte1 Fußnotenauszug: Bei jedem Kauf eines Spiels für ein Nintendo-Gerät oder eines anderen Nintendo-Produkts erhält der Käufer eine Karte mit einer Nummer, die auf der Club-Nintendo-Seite eingegeben werden kann. Für das Beantworten einiger Fragen zum erworbenen Produkt erhält man Punkte in meist zweistelliger Größenordnung. Im europäischen Club Nintendo heißen diese Punkte Sternenpunkte, allerdings untersche... exklusiv im japanischen Club Nintendo.

Man kann Hanafuda in zwei Varianten spielen, Hachi Hachi und Koi Koi. Ich selbst habe nur letztere Variante schon selbst gespielt, weswegen ich mich hier auf diese beschränken möchte. Die Karten unterscheiden sich in Größe und Material von den meisten bei uns gebräuchlichen Spielkarten. Hanafuda-Karten sind aus Plastik und verhältnismäßig klein, 34 mm mal 55 mm. Dafür ist die Illustration der Karten und die Punktezuweisung sehr viel komplexer als bei einem Romme-Blatt beispielsweise. Statt simpler Zahlen und Symbole, die leicht am Rand der Karten abgelesen werden können, muss man die Hanafuda-Karten schon in ihrer Ganzheit betrachten, um ihre Zugehörigkeit auszumachen. Es gibt zwölf Suiten, die den Monaten des Jahres zugeordnet sind, zu erkennen an für den jeweiligen Monat typischen Pflanzen, Tieren und anderen Motiven. Das Konzept der Jahreszeitenwörter, die eine sehr große Rolle in der klassischen japanischen Dichtung spielen, findet hier in bildlicher Form Anwendung. Hanafuda vermittelt so auch spielerisch ein Verständnis für Natur und Kultur des japanischen Kalenderjahres.

In Koi Koi haben einzelne Karten der Suiten Punktwerte, die 5, 10 oder 20 betragen können. Nicht jeder Monat hat gleich viele solcher Punktekarten, auch die Werte variieren, allerdings errechnen sich die tatsächlichen Punkte erst in der Kombination der Karten. Nachfolgend möchte ich alle Monatssuiten und Kartenkombinationen vorstellen.

Januar: Kiefer und Kranich

Mit dem Kranich (20 Punkte) und einem roten, beschrifteten Band (5 Punkte) bietet der erste Monat des Jahres zwei Punktekarten. Den Hintergrund zieren die Blätter der japanischen Kiefer (matsu).

Februar: Pflaume und Nachtigall

Der Japanbuschsänger oder auch japanische Nachtigall (uguisu) ist 10 Punkte, das beschriftete rote Band erneut 5 Punkte wert. Alle Karten zeigen die Blüten des japanischen Pflaumenbaums (ume).

März: Kirschblüte und Vorhang

Der erste Frühlingsmonat März hat neben dem dritten und letzten beschrifteten roten Band für 5 Punkte einen Vorhang für 20 Punkte. Die gesamte Suite ist mit Kirschblüten (sakura) versehen.

April: Glyzinie und Kuckuck

Im April singt der Gackelkuckuck (hototogisu) für 10 Punkte und das erste rote Band ohne Beschriftung ist wie seine Vorgänger 5 Punkte wert. In diesem Monat blüht die Glyzinie bzw. der Blauregen aus der Familie der Wistarien (fuji).

Mai: Schwertlilie und Brücke

Schwertlilien (ayame) zieren die Mai-Suite, die neben einem weiteren roten Band für 5 Punkte noch eine Brücke für 10 Punkte beinhaltet.

Juni: Pfingstrose und Schmetterling

Im Juni blüht natürlich die Pfingstrose (botan) und zu den roten Bändern gesellt sich das erste lilane. Der Punktwert ist derselbe wie bei den roten, wieder sind es 5, sowie 10 für die Schmetterlinge.

Juli: Süßklee und Eber

Der Süßklee (hagi) schmückt die Juli-Suite, dessen Eberkarte 10 Punkte wert ist. 5 Punkte für das vorletzte rote Band.

August: Susuki-Gras, Mondhimmel und Wildgänse

Etwas trist sieht der August aus, der dafür aber reich an Punkten ist. Über dem Susuki-Gras thront der Mond für 20 Punkte und die Wildgänse fliegen für 10 Punkte.

September: Chrysanthemen und Sake

Golden blüht die Chrysantheme und verschönert so den ersten Herbstmonat September. 10 Punkte ist das Sake-Schälchen wert und 5 ein weiteres lila Band.

Oktober: Ahorn und Reh

Der Ahorn heißt in Japan momiji und dieses Wort ist gleichbedeutend mit der Färbung des Herbstlaubes im Allgemeinen. Passenderweise ziert er die Oktober-Suite mit einem Reh für 10 Punkte und dem dritten und letzten lila Band für erneut 5 Punkte.

November: Kalligraph Ono no Michikaze mit Frosch, Weide und Schwalbe

Der 894 geborene Kalligraph Ono no Michikaze aus der Heian-Zeit ist zusammen mit dem Frosch 20 Punkte wert, die Schwalbe nochmal 10 und das letzte rote Band ergänzt mit 5 Punkten den November zum punktereichsten Monat. Geschmückt wird er von Weiden (yanagi).

Dezember: Kaiser-Paulownie und Phönix

Der Dezember beschließt mit Kaiser-Paulownie (kiri) und einem Phönix für 20 Punkte das Jahr.

Kommen wir nun zu den Kombinationsmöglichkeiten. Am meisten Punkte lassen sich natürlich mit den 20-Punkte-Karten machen, und zwar zwischen 5 und 10. Die Punktewerte der Einzelkarten sind also rein nominell zu verstehen, tatsächlich braucht man alle 5 Karten dieses Wertes, um insgesamt 10 Punkte zu erzielen, mit den sogenannten 5 Lichtern (gokō):

Immerhin 8 Punkte gibt es für diese vier Karten:

Shikō: vier 20 Punktkarten

Die sogenannten vier Lichter (shikō) werden auf 7 Punkte abgewertet, wenn eine der Karten durch den Kalligraphen mit Frosch ersetzt werden. Der Kalligraph hält nicht umsonst einen Schirm: Diese Kombination heißt daher vier Lichter mit Regen (ame-iri shikō). 5 Punkte gibt es für drei der hochwertigen Karten, solange die Regenkarte nicht dabei ist, beispielsweise in dieser Kombination:

Sankō: drei 20-Punkte-Karten ohne Regen

Genausoviel Punkte wie die drei Lichter gibt es für den Sake-Trunk während der Blumenschau (hanami) bzw. der Mondschau (tsukimi). Diese beiden Kombinationen bestehen aus lediglich zwei Karten, eine davon 20 Punkte, die andere 10 Punkte wert:

Ein Schälchen Sake zur Blumenschau

Ein Schälchen Sake zur Mondenschau

Dem Sake-Schälchen und der September-Suite kommt also eine entscheidende Rolle zu. So schnell bekommt man sonst kaum 5 Punkte. Aber auch mit den anderen 10er-Karten lassen sich viel Punkte machen: Wenn man die richtigen drei 10-Punkte-Karten sammelt (den Eber, das Reh und die Schmetterlinge), sind diese ebenfalls 5 Punkte wert. Jede weitere 10-Punkte-Karte erhöht den Wert der Kombination außerdem um jeweils einen Punkt, sodass insgesamt 9 Punkte mit den Karten dieses Werts erzielt werden können.

Eber, Reh und Schmetterlinge (inoshikachō)

Die Bänder, die jeweils 5 Punkte wert waren, können in Kombination auch bis zu 5 Punkte Grundwert erzielen. So viel erhält man für die roten Bänder (aka-tan) oder die lila Bänder (ao-tan):

Aka-tan: drei beschriftete rote Bänder

Ao-tan: drei lila Bänder

Jedes weitere Band gleich welcher Farbe erhöht den Grundwert dieser beiden Kombinationen von 5 um jeweils 1. Sammelt man sowohl die roten wie die lila Bänder, ergänzen sich die beiden Kombinationen zu einer neuen, die 10 Punkte wert ist:

Beide Bänderkombinationen

Dieser Grundwert von 10 erhöht sich mit jedem weiteren Band um 1. Immerhin noch einen Punkt gibt es für eine Bänderkombination, die keiner der oben beschriebenen entspricht:

Tan: 5 oder mehr bunte Bänder

Auch hier erhöht jedes weitere Band den bescheidenen Grundwert von 1 um jeweils noch einmal 1.

Wir sind nun also bei den kleinen Fischen angelangt. Auch für fünf 10er-Karten, die noch nicht zur Eber/Reh/Schmetterlinge-Kombination reichen, gibt es einen Punkt. Jede weitere 10er-Karte erhöht diesen Grundwert um 1. Diese Kombi heißt tane (Samen) und kann natürlich im Nachhinein noch zur oben genannten Kombination für 5 Punkte aufgewertet werden werden.

Auch die sogenannten Abfallkarten ohne Punktwert können in der Masse doch noch kleine Punktwerte erzielen. 10 von ihnen sind zusammen 10 Punkte wert, jede weitere dann nochmal 1. Diese Kombination heißt kasu (Abfall).

Kasu: 10 Abfallkarten

Gespielt wird also einer gegen einen. Der Geber (oya) verteilt jeweils 8 verdeckte Karten an sich und den anderen Spieler (ko) und legt noch einmal 8 offen in die Mitte (ba). Wer zuerst Geber sein darf, wird ausgelost, danach wechseln sich die Spieler ab. Beginnend mit dem Geber spielen beide Seiten jeweils eine ihrer eigenen Karten aus und drehen danach noch eine Karte vom verdeckten Stapel auf. Mit beiden dieser so ausgespielten Karten haben die Spieler die Chance, Karten aus der Mitte für sich zu gewinnen: Wenn in der offenen Mitte eine Karte aus derselben Monatssuite liegt wie die ausgespielte Karte, darf der Spieler diese beiden zueinander passenden Karten auf seinen offenen Punktestapel legen. Alles was dort liegt, kann zu den oben beschriebenen Kombinationen zusammengestellt werden.

Spielfeld

Passen die ausgespielten Karten zu keiner in der offenen Mitte, bleiben sie zusammen mit den anderen dort liegen. Passen sie zu mehreren in der Mitte, muss der Spieler sich eine davon aussuchen. Geschicktes Ausspielen der eigenen Karten ist natürlich der Schlüssel zum Sieg. Aber auch der Überblick über das Spielgeschehen insgesamt ist wichtig. Jedesmal, wenn ein Spieler eine Kombination erzielt oder aufrüstet, hat er die Wahl, entweder die Runde zu beenden, oder mit der Ansage koi koi (komm komm) das Spiel weiterzuführen. Diese Option bietet sich an, wenn noch mehr Punkte in Aussicht stehen. Tödlich ist dieser Spielzug allerdings, wenn der Gegner dann vor einem selbst als nächstes eine Kombination erzielt. In diesem Fall kann er nämlich die bisherigen Punkte des „koi koi“-Rufers doppelt für sich selbst aufschreiben.

Wer in 12 Runden die meisten Punkte erzielt, ist der Sieger.

Link: Sloperama Hanafuda (englisch)

  1. Bei jedem Kauf eines Spiels für ein Nintendo-Gerät oder eines anderen Nintendo-Produkts erhält der Käufer eine Karte mit einer Nummer, die auf der Club-Nintendo-Seite eingegeben werden kann. Für das Beantworten einiger Fragen zum erworbenen Produkt erhält man Punkte in meist zweistelliger Größenordnung. Im europäischen Club Nintendo heißen diese Punkte Sternenpunkte, allerdings unterscheiden sich die regionalen Club Nintendos in Punktevergabe und Sortiment an Preisen, gegen die man die Punkte eintauschen kann. Nachdem die Mario-Hanafuda-Editionen für kurze Zeit im japanischen Club Nintendo erhältlich waren, sind sie nun auch im amerikanischen Club Nintendo für 800 und im europäischen für 2500 Punkte zu beziehen. []
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