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Wozu Fantasie gut ist – Pans Labyrinth

In dieser Interpretation des Films Pans Labyrinth (El laberinto del fauno) von Guillermo del Toro beziehe ich mich auf viele Details des Films, weswegen ich dazu rate, vor dem Lesen zuerst den Film anzusehen. Dies dient sowohl dem Verständnis des Artikels wie auch einem unvoreingenommenen Filmgenuss.

Fantasie und Wirklichkeit

Der Film beginnt mit einer Autofahrt zu dem Ort, an dem sowohl eine fantastische Welt wie auch die realen Schrecken des Kriegs warten. Die Mutter der jungen Ofelia rügt ihre Tochter für deren Versunkenheit in Büchern voller kindlicher Feenfantasien. Sie ist schwanger mit dem Sohn des Hauptmanns der spanischen faschistischen Armee, hat sich also mit der erwachsenen Realität nicht nur arrangiert, sondern ihrer Meinung nach sogar etwas Großes erreicht. Ofelia hingegen erinnert sich und andere wiederholt daran, dass der Hauptmann nicht ihr wahrer Vater ist.

Ein Mädchen, dass sich angesichts einer schwierigen realen Situation in eine Fantasiewelt flüchtet,1 Fußnotenauszug: Die schwierige Situation besteht auch in diesem Fall zumindest teilweise aus dem baldigen Erwachsenwerden, für Ofelia verbunden mit Aspekten wie Schwangerschaft der Mutter, dem strengen Patriarchen, allgemein Angst vor männlicher Gewalt auch bei ihrem noch ungeborenen Bruder. Durch das Setting drücken sich männliche und erwachsene Strukturen aber auch in der Extremsituation kriegerischer Ausei... dieses Motiv findet sich schon beim Zauberer von Oz, doch in Pans Labyrinth wird die Realität durch das Entdecken des Fantastischen nicht ausgesetzt, vielmehr erzählt der Film zwei Geschichten parallel, eine überaus reale und eine mit ihr eng verflochtene fantastische. Ofelias erwachsenes Gegenstück Mercedes hat auch einmal an Feen geglaubt, wie sie Ofelia auf ihre Frage danach zugibt, doch jetzt äußert sich ihr Glaube an das Gute in ihrer Bereitschaft, die Partisanen als Informantin zu unterstützen. Ofelia durchschaut dies ziemlich schnell. Auch wenn sie zu naiv erscheint, das wahre Ausmaß des Schreckens zu verstehen, sie hat einen intuitiven Zugang zu der Situation, in der sie und Mercedes sich befinden.

Ofelia hält Insekten für Feen, als sie einer Art Grashüpfer ein Bild einer Fee aus einem ihrer Bücher zeigt, verwandelt sich dieser tatsächlich in ein Abbild der Illustration und führt sie zu einem Pan. Dieser eröffnet ihr, dass sie die wiedergekehrte Prinzessin seines Königreichs sei. Doch um dorthin zurückzukehren, müsse sie drei Prüfungen bestehen, die sie aus einem Buch erfahren würde, das er ihr gibt. Dessen Seiten sind zuerst leer, sie schreiben sich erst im Augenblick, als die Ereignisse sich anschicken, tatsächlich zu geschehen. Das Fantastische bleibt somit auch in der realen Entdeckung literarisch. Der Pan als Personifikation der Erde und Natur macht die Bedingungen, unter deren Erfüllung Ofelia ganz Teil der literarischen Fantasie werden kann. Mercedes warnt sie davor, dass Pane als trügerisch verschrien sind und man ihnen nicht immer trauen könne.

Die Interpretation von Gut und Böse ist sehr strikt in Ofelias Prüfungen, die kleinste Abweichung von den Regeln, und sei es nur das Essen einiger Trauben, fordert den Tod einiger ihrer Feenbegleiter und scheint ihr den Weg zurück zum Prinzessinnenthron zu versperren. Plötzlich ist sie wieder in der Realität gefangen, ohne Aussicht auf Entkommen. Gleichzeitig spitzen sich die Ereignisse im realen Handlungsbogen zu, wo das wahre Böse sich entfaltet. Der Schurke ist keine hässliche Verzerrung eines realen Übels, vielmehr ist er ein Beispiel für ein reales Übel, das auch in einer fantastischen Interpretation nicht mehr deutlicher in seinem schrecklichen Ausmaß gezeichnet werden könnte.

Das reale Böse

Der Hauptmann kämpft unbarmherzig gegen die roten Partisanen und ihre Idee davon, dass alle Menschen gleich seien. Ohne Mitleid tötet er mit äußerster Brutalität einen jungen Bergbewohner und seinen Vater. Als der Grund dafür sich als Fehler herausstellt, zeigt er keinerlei Reue, sondern bestätigt seine Überzeugung, dass seine Opfer anders als er nichts wert seien und selbst die Zeit zum Töten zu schade gewesen wären.

Seine Frau betrachtet er als bloße Gebärmaschine, lässt sie ständig von einem Arzt betreuen. Dass es ihm dabei aber nur um das Wohl seines Sohnes geht, wird deutlich in seinem präventiv geäußerten Befehl an den Arzt, falls nötig das Leben des Sohnes auf Kosten dessen der Mutter zu retten. Als beim Abendtisch einige der weiblichen Gäste der Ehefrau Details entlocken, wie sie sich kennengelernt haben, sie ihre niedere Herkunft offenlegt, und ohne es zu merken in einer naiven Formulierung den Zufall ihres Zusammenkommens mit dem Hauptmann als dessen Plan entlarvt, ist ihm das unangenehm. Er gönnt ihr keine Kompetenzen jenseits des Gebärens des Stammhalters, verkrüppelt sie symbolisch, indem er ihr „zu ihrem eigenen Wohl“ befiehlt, die letzten Wochen der Schwangerschaft in einem Rollstuhl zu verbringen.

Gefasste Partisanen verkrüppelt er hingegen tatsächlich, sowohl seelisch wie auch körperlich. Die Folter, durch die er sich verlässliche Informationen verspricht, ist auch eine Bestätigung seiner kranken Vorstellung davon, seinen Mitmenschen überlegen zu sein. Als er erkennt, dass sein Gefangener stottert, zeigt er sich gönnerhaft, verspricht ihn laufenzulassen, wenn er es schaffe, ohne zu stottern bis drei zu zählen. Keiner stehe über ihm, der ihm diese Gnade verbieten könne, wie er sich von seinem Untergebenen bestätigen lässt. Dieser Gnadenakt ist jedoch eine reine Machtdemonstration, er inszeniert seine „Überlegenheit“ und spielt die Behinderung als Trumpf gegen sein Opfer aus, als „Beweis“ dessen Unterlegenheit, in einem kalkulierten Versagen, das ihm und dem Stotterer „beweist“, dass sie nicht auf einer Ebene stehen.

Gehorsam

Als der Stotterer am nächsten Tag durch die Folter völlig entstellt den Arzt um den Gnadentot bittet, sieht er aus wie eine der Kreaturen aus einer Fantasynarrative, doch ist es der reale Handlungsbogen, der hier von dieser Art Maskenbild Gebrauch machen muss. Der Arzt hatte die Partisanen die ganze Zeit über heimlich unterstützt, erst am Tag davor Mercedes zu ihrem Lager begleitet, um dort die Wunden der Verletzten zu versorgen. Auch den Stotterer hatte er dort getroffen, und den Geliebten von Mercedes, den er fragt, warum er nicht mit Mercedes außer Landes fliehe. Der Doktor kann dem Krieg nichts abgewinnen, selbstverständlich nicht der Sache der Unterdrücker, aber auch der Kampf der Partisanen scheint ihm sinnlos, da er anscheinend nur mehr und mehr Opfer fordert, die der Doktor dann beim Sterben begleiten muss. Oder auch ihre Verkrüppelung vollenden, als er einem der Partisanen das nicht zu rettende Bein amputiert.

Die perverse Logik des Krieges gipfelt für den Doktor im blinden Gehorsam. Als der Hauptmann ihm auf die Schliche gekommen ist und den Doktor zur Rede stellt, macht er dies in seinen Worten deutlich. Menschen wie der Hauptmann leisteten blinden Gehorsam. Der Doktor hingegen widersetzt sich dem Befehl des Hauptmanns, wendet ihm den Rücken zu und läuft ruhigen Schrittes von ihm fort. Durch diese Demonstration seiner Prinzipien erntet er den Tod durch Erschießen. Am Ende konnte er weder fliehen noch den Krieg aufhalten. Der Hauptmann, der nach eigenen Aussagen an der Spitze der Befehlskette steht, folgt weiterhin blind seinen eigenen kranken Ideen.

Gehorsam wurde auch von Ofelia erwartet und wie oben beschrieben beendete ihr Ungehorsam ihre Aussicht auf Realitätsflucht vorläufig. Doch sie erhält noch eine Chance. Der Pan trägt ihr auf, mit ihrem frischgeborenen Bruder zu ihm in sein Labyrinth zu kommen. Dort erfährt sie, dass für ihre Rückkehr unschuldiges Blut vergossen werden muss, ihr Bruder also sterben soll. Wird sie diesmal dem Befehl des Pans gehorchen? Der Hauptmann, der ihr gefolgt ist, um seinen Sohn zurückzuholen, kann den Pan nicht sehen. Für ihn ist er ein Hirngespinst von Ofelia, so unsinnig wie die Idee von Gleichheit.

Flucht in die Fantasie

An dieser Stelle möchte ich darauf eingehen, wie sich die fantastischen Ereignisse im realen Handlungsbogen auswirken.2 Fußnotenauszug: Die strukturellen Parallelen zwischen fantastischem und realem Handlungsbogen, auf die ich hier bewusst nicht eingehe, werden anhand der wiederkehrenden Motive sehr schön im Wikipedia-Artikel unter Struktur und Interpretation aufgezeigt. Es bleibt darüberhinaus anzumerken, dass sowohl der Schlüssel als Symbol für Wissen und das Messer als Mordinstrument phallischer Natur sind, Mittel zum Erlan... Zu einem früheren Zeitpunkt gibt Ofelia einmal der Pflege ihrer kranken Mutter den Vorzug gegenüber dem Antreten einer der Prüfungen. Wie die Narrative blendet auch sie als Figur die Realität nicht zugunsten der Feenfantasie aus, wofür sie aber indirekt vom Pan gerügt wird. Um das Hindernis zum Erfüllen der Prüfung aus der Welt zu schaffen, gibt er ihr eine Alraune, die sie in einem Teller mit Milch unter das Bett der Mutter stellt und die sie täglich mit zwei Tropfen Blut füttert. Dieser Zauber scheint zu wirken, die Mutter geht es schnell wieder besser, wofür auch der Doktor keinerlei Erklärung hat. Doch als der Hauptmann Ofelia unter dem Bett entdeckt und die Alraune hervorzieht, glaubt ihr keiner, dass sie die Mutter geheilt hat.

Die Alraune, eine Wurzel, die davon träumt, ein Mensch zu sein, sie sieht fast aus wie das heranwachsende Kind im Leib der Mutter. Doch die Mutter glaubt nicht an Feenmärchen und wirft vor Zorn über die durch Ofelias Handlungen erfahrene Demütigung vor ihrem Ehemann die Alraune ins Kaminfeuer, worauf sie sofort starke Schmerzen in ihrer Bauchgegend erleidet. Doch wider Erwarten stirbt nicht das Kind in ihr, sondern sie selbst. Die Alraune, die davon träumte, ein Mensch zu sein, sie ähnelt als Pflanze dem Baum, den Ofelia von der hässlichen Kröte befreite. Sie ist ein Teil der Natur, die der Pan verkörpert. Sie ist eine naturgeprägte literarische Fantasie, ein Feenmärchen. Ofelias Mutter hatte nicht daran geglaubt, sie hat nicht an sich geglaubt, und es scheint, als habe sie ihren eigenen Tod herbeigeführt.

Ofelia hingegen glaubt daran, folgt dem Pan bis zum Schluss. Doch das unschuldige Leben ihres Bruders kann sie nicht opfern. Bei den Käfern, die die hässliche Kröte mit ihrer langen Zunge fraß, war Ofelia weniger zimperlich, sie als Köder für eine tödliche List gegen die Kröte zu verwenden, aber ihren Menschenbruder will sie nicht opfern. Daher konnte sie die Kröte vergiften, wohingegen dieselbe Strategie beim Hauptmann (mangels Opfer?) keine Wirkung zeigt. Dieser entreißt ihr den verschonten Bruder und erschießt sie. Während sie in der Realität stirbt, breitet sich vor ihrem geistigen Auge das Ziel ihrer Wünsche aus. Der König und die Königin empfangen sie zurück auf ihrem Thron, der Pan ist zufrieden, dass sie ihm nicht blind gehorcht, sondern selbst erkannt hat, was die richtige Entscheidung war. Eine versöhnliche Szene, die jedoch nicht anhält. Die Geschichte kehrt zurück in die Realität, in der Ofelia ihren letzten Atemzug macht.3 Mit derselben Szene rückwärts abgespielt beginnt auch der Film. Dadurch wird ihr Tod und wie es zu ihm kam zum Eröffnungsthema. Am Ende erleidet sie doch dasselbe Schicksal wie ihre Mutter. Oder das Ziel ihrer Wünsche. Beide Interpretationen sind nicht nur möglich, sondern sogar zwingend, nach der Logik der Geschichte.

Realer Kampf

Doch wie endet der reale Handlungsbogen? Nachdem der Doktor entlarvt wurde, scheint auch Mercedes bald durchschaut. Sie unternimmt daher mit Ofelia einen Fluchtversuch, wird aber gefasst und vom Hauptmann zum selben Folterort gebracht wie zuvor der Stotterer. Doch die Überheblichkeit des Hauptmanns soll ihm erneut zum Verhängnis werden. Gerade erklärte Mercedes ihm noch, dass sie nur unbehelligt spionieren konnte, weil er in ihr als Frau nie eine Gefahr gesehen hatte. Gerade gibt er noch zu, dass dies sein größter Fehler gewesen sei. Dennoch wendet er ihr den Rücken zu, um sein Folterinstrument auszusuchen. Ohne dass sie jemand im Auge behalten würde, kann sie das Messer, das sie sich stets in die Schürze klemmt, hervorholen und die Fesseln durchschneiden. Noch bevor der Hauptmann sich ihr wieder zuwendet, greift sie ihn mit dem Messer an, sticht zweimal zu und schneidet ihm dann mit dem in seinem Mund gesteckten Messer die Backe auf. Sie habe vor ihm schon andere Schweine abgeschlachtet, kommentiert sie ihre Fähigkeit zum gewaltsamen Widerstand.

Selbst die folgende Flucht scheint diesmal zu gelingen, da auch die anderen Soldaten sie zunächst unterschätzen, tatsächlich einige annehmen, der Hauptmann hätte sie laufen lassen. Sie kommt ziemlich weit und als sie im Wald von mehreren berittenen Soldaten umstellt wird, wendet sie das Messer gegen sich, um erneuter Gefangenschaft zu entgehen. Ihre Bereitschaft zu sterben wird nicht lange auf die Probe gestellt, die Partisanen kommen ihr zu Hilfe und erschießen ihre Verfolger. Danach führen die Partisanen ihren Gegenschlag aus und empfangen den Hauptmann bei seiner Rückkehr aus dem Labyrinth. Er akzeptiert seine Niederlage und seinen Tod, übergibt Mercedes seinen Sohn. Nach wie vor in seiner Überheblichkeit gefangen trägt er ihr wie gewohnt auf, wie sie seinen Sohn aufziehen und was sie ihm von seinem Vater erzählen soll. Der Hauptmann glaubt offenbar immer noch, dass sein Vater in seinem Sohn weiterleben wird, so wie der Vater in ihm weitergelebt hatte.

Doch Mercedes beendet seinen Wahn, erklärt ihm, dass sein Sohn niemals auch nur seinen Namen erfahren wird. Gleich nachdem er dies verstanden hat, wird er erschossen. Mercedes zeigt ihm gegenüber genau so wenig Mitleid wie er zuvor seiner Frau. Mercedes holt sich zurück, was der Hauptmann seiner Frau auf Kosten ihres Lebens geraubt hat. Zwar haben Mercedes und die Partisanen gesiegt, doch angesichts der vielen Verluste zeigt der Film Mercedes am Ende in einem Moment tiefer Trauer. Sie ist die erwachsene Heldin, die anders als die kindliche Protagonistin überlebt hat. Ofelia hat ihr reines Gewissen bewahrt, sich geweigert, ein unschuldiges Menschenleben zu opfern. Prinzipientreu wie der Doktor findet sie Erfüllung im Tod. Mercedes hingegen musste ein stückweit so werden wie ihr Peiniger, der Logik des Krieges folgen, die der Doktor so verachtet, auch den Tod der eigenen unschuldigen Partisanenkämpfer in Kauf nehmen, um sich die Freiheit und Gleichheit zu erkämpfen. Ihr Glauben an das Gute ist reifer und pragmatischer.

Und der Zuschauer?

Pans Labyrinth gelingt durch seine Kontrastierung von Fantasiewelt und Realität eine differenzierte Beleuchtung der Bedeutung von Fantasie für die Wirklichkeit. Ofelia ist zu jung, um den Glauben an das Gute in der Realität zum Erfolg zu führen, ihre Mutter hingegen zwar alt genug, aber zu lange der Idee von Gerechtigkeit entfremdet, um den Versuch überhaupt zu wagen. In Mercedes erfährt man als Zuschauer die Genugtuung, über das historische Böse zu siegen, doch ohne dabei den Preis der Gerechtigkeit leugnen zu können.

Und der Kampf um Gleichheit ist nach wie vor aktuell. Die Natur, die von Ofelia als Feenfantasie verklärt wird, hat uns nicht gleich gemacht. Trotzdem haben wir alle dieselben Rechte. Oder sollten sie zumindest haben. Da wir jedoch alle verschieden sind, gehen auch die Meinungen darüber, was für Rechte wir eigentlich haben, auseinander. Die Verhältnisse sind heute nicht so schwarz und weiß, wie sie im historischen Kontext des Films erscheinen. Der zwar selektiv ist, der fantastischen Realitätsflucht jedoch auch eine ganz andere Tragweite verleiht. Aber gerade im Extrem, das immer wieder auftritt, und auftritt, weil wir es zulassen, wird die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit dieser Frage deutlich.

Der Hauptmann und die Partisanen, angeführt von Mercedes‘ Geliebten, sind nicht so verschieden.4 Tatsächlich ließen sich Parallelen zwischen fast allen Figuren aufzeigen, die Themen Flucht, Gehorsam, (Un)gleichheit schaffen hier die Schnittpunkte, anhand der die Figuren sich in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten charakterisieren. Jedoch hat der eine die Macht und der andere will sie. Der eine kämpft für Unterdrückung, der andere für Gerechtigkeit. Als Unterdrückter ist man prädestiniert, für Gerechtigkeit zu kämpfen. Oder sich unterdrücken zu lassen. Als Mächtiger hat man die Wahl, für was man kämpfen will. Als Machtloser nur die Wahl, zu kämpfen oder aufzugeben. Macht bringt die schlechten Dinge im Menschen zum Vorschein, doch gerade deswegen müssen wir unsere Machtansprüche geltend machen. Wenn wir zu viel Macht anderen überlassen, bereiten wir ihrem Missbrauch den Weg. Kein Gehorsam ohne Gewissen.

Es kann nicht jeder ein Herrscher sein, es kann nicht jeder über allen anderen thronen. Doch es ist nicht verkehrt, von Macht zu träumen und sich so ermutigt reale Ziele zu setzen. Solange wir verstehen, dass die Spielregeln in der Realität weniger simpel sind. Und dass mit Gleichheit nicht Gleichheit der Fähigkeiten gemeint ist, sondern Gleichheit der Rechte. Der Hauptmann in seinem Größenwahn ist ein schlechter Machthaber, Ofelia in ihrer kindlichen Fantasie eine machtlose Herrscherin. Mercedes hingegen ist der reale Mensch, der aus der fantastischen Idee gewachsen ist, weil sie ihre Rechte beansprucht hat.

  1. Die schwierige Situation besteht auch in diesem Fall zumindest teilweise aus dem baldigen Erwachsenwerden, für Ofelia verbunden mit Aspekten wie Schwangerschaft der Mutter, dem strengen Patriarchen, allgemein Angst vor männlicher Gewalt auch bei ihrem noch ungeborenen Bruder. Durch das Setting drücken sich männliche und erwachsene Strukturen aber auch in der Extremsituation kriegerischer Auseinandersetzung aus, von der Ofelia aber direkt gar nicht so viel mitbekommt. []
  2. Die strukturellen Parallelen zwischen fantastischem und realem Handlungsbogen, auf die ich hier bewusst nicht eingehe, werden anhand der wiederkehrenden Motive sehr schön im Wikipedia-Artikel unter Struktur und Interpretation aufgezeigt. Es bleibt darüberhinaus anzumerken, dass sowohl der Schlüssel als Symbol für Wissen und das Messer als Mordinstrument phallischer Natur sind, Mittel zum Erlangen und Ausüben von Macht. []
  3. Mit derselben Szene rückwärts abgespielt beginnt auch der Film. Dadurch wird ihr Tod und wie es zu ihm kam zum Eröffnungsthema. []
  4. Tatsächlich ließen sich Parallelen zwischen fast allen Figuren aufzeigen, die Themen Flucht, Gehorsam, (Un)gleichheit schaffen hier die Schnittpunkte, anhand der die Figuren sich in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten charakterisieren. []
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