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Artikel mit dem Stichwort ‘Anime’

Brave Story

Sonntag, 11. Juli, 2010
Erstausgabe

Hardcoverausgabe von 2002, 1. von 2 Bänden

MIYABE Miyuki ist eine in Japan sehr erfolgreiche Roman-Autorin, die dank einiger Übersetzungen ihrer Werke ins Englische1 Übersetzt wurden u. a.  Kasha (All She Was Worth), Kurosufaia (Crossfire), R.P.G. (Shadow Family), Bureibu sutoorii (Brave Story), Majutsu ha sasayaku (The Devil’s Whisper), Eiyū no sho (Book of Heroes). auch bei uns einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt. Außerdem hat sie mit Perfect Blue die Vorlage zu einem Anime von KON Satoshi geschrieben, der auch bei uns erfolgreich auf Festivals (darunter die erste Nippon Connection im Jahr 2000) lief. Dieses Werk stammt aus dem Krimi-Genre, in dem sie hauptsächlich aktiv ist, doch aufgrund einer starken Affinität zu Videospielen schreibt sie auch Fantasy-Romane, 2002 eine Adaption von UEDA Fumitos PS2-Debüt Ico, drei Jahre zuvor bereits ihre eigene Version einer auf japanischen Rollenspielen basierenden Fantasy-Welt, Brave Story. Dieser Roman wird von November 1999 bis Februar 2001 in verschiedenen regionalen Zeitungen als Serie veröffentlicht, was in Japan die übliche Vorgehensweise bei Literatur im Allgemeinen ist, bevor sie gesammelt in Buchform erscheint. Eine erste Hardcoverausgabe erscheint 2002 in 2 Bänden mit 630 und 670 Seiten bei Kadokawa Shoten, 2007 auch eine englische Übersetzung bei Viz Publishing.

Comic-Adaption

Comic-Adation von 2003, 1. von 20 Bänden

Die Vermischung der Medien, ursprünglich von Videospiel-Motiven und dem Romanformat, setzt sich fort in einer Comicadaption, die ebenfalls von MIYABE geschrieben und von ONO Yōichirō zeichnerisch umgesetzt wird. Diese erschien ab 2003 und umfasste am Ende 20 Bände. Die Comic-Version unterscheidet sich vom Original zum Beispiel durch das höhere Alter des Protagonisten MITANI Wataru, der im Roman noch im Grundschulalter ist,2 Genau gesagt geht Wataru in der Romanvorlage in die 5. Klasse. Die japanische Grundschule umfasst 6 Jahre. im Comic aber bereits auf die Mittelschule geht. Später folgen eine Verfilmung und darauf folgend auch Videospiel-Umsetzungen für verschiedene Systeme, womit die Motive der Geschichte schließlich wieder in ihrem Ursprungsmedium ankommen.

Anime-Adaption

Zeichentrickverfilmung von 2006, DVD

Als 2006 der Stoff als Zeichentrickfilm fürs Kino adaptiert wird, wird auch die Buchausgabe zweifach neu aufgelegt, einerseits in einer Softcover-Ausgabe im Reklamformat in drei Bänden zu je etwa 500 Seiten, andererseits in einer sich an den Film anlehnenden Ausgabe für Kinder, als sogenannte Lightnovel, mit farbigen Comicillustrationen im Anime-Stil und mehr Lesungszeichen bei für junge Leser noch zu schweren Schriftzeichen. Normalerweise werden Lightnovels speziell für diese Zielgruppe bestehend aus Anime-Fans und eben jüngeren Lesern geschrieben und dienen oft genau wie Comics als Vorlagen für Zeichentrickfilme, aber Brave Story wird erst im Nachhinein in diesem Format veröffentlicht.

Ausgabe für junge Leser

Lightnovel-Ausgabe von 2006, 1. von 4 Bänden

Ursprünglich für Erwachsene geschrieben und auf einem für Lightnovels vergleichsweise hohem literarischem Niveau, ist der Text trotz allem sehr zugänglich und vom Vokabular weniger anspruchsvoll als MIYABEs Krimis, was sicherlich auf die Perspektive des jungen Protagonisten zurückzuführen ist. Brave Story spielt in einer kindlichen Welt, richtet sich aber eigentlich an Erwachsene, im Endeffekt bereitet sie die Art von Welt, die Kinder in Spielform erleben, in einem für Erwachsene leichter zugänglichen Medium neu auf. Da der Text aber auch für Kinder und erwachsene Spieler als Geschichte interessant ist, überbrückt er die unterschiedlichen Rezeptionsgewohnheiten der verschiedenen Zielgruppen und wird daher in so vielen Medien und Vertriebsformen für jeden zugänglich gemacht.

Vorsicht: Ab hier enthält dieser Artikel Spoiler zur Handlung des Romans!

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  1. Übersetzt wurden u. a.  Kasha (All She Was Worth), Kurosufaia (Crossfire), R.P.G. (Shadow Family), Bureibu sutoorii (Brave Story), Majutsu ha sasayaku (The Devil’s Whisper), Eiyū no sho (Book of Heroes). []
  2. Genau gesagt geht Wataru in der Romanvorlage in die 5. Klasse. Die japanische Grundschule umfasst 6 Jahre. []

[Glossar] Anime

Samstag, 10. Juli, 2010

Anime ist die Abkürzung der japanischen Umschrift des englischen Worts animation und bezeichnet vor allem handgezeichnete bzw. in diesem Stil gehaltene Animationsfilme. Im weiteren Sinne bezeichnet es auch die neueren computeranimierten und alle anderen Formen von Animationsfilmen. Außerhalb Japans hat sich der Begriff als Bezeichnung für Zeichentrickfilme aus Japan eingebürgert.

NC2010 Impressionen: Chocolate Underground

Montag, 19. April, 2010

Dieser Film ist höchstwahrscheinlich der optisch unspekakulärste Anime, der je auf der Nippon Connection gezeigt wurde; dafür ist die Optik aber zuckersüß und der Plot sicher eine der mächtigsten Parodien, die ich in meinem Leben das Vergnügen hatte, sehen zu dürfen. Den Spieß umdrehen (gyakuten) ist eines der großen Themen der jüngeren Otaku-Literatur und Chocolate Underground gelingt dies überaus gut. Stellt sich nur noch die Frage, wie man mehr der Leute, an die sich die Aussage des Films richtet, zum Ansehen dieses köstlichen Zeichentrickfilms bewegen könnte.

NC2010 Impressionen: Oblivion Island

Sonntag, 18. April, 2010

In Spiegeln wohnen Götter, heißt es an einer Stelle in Oblivion Island: Haruka and the Magic Mirror (Hottarake no shima: Haruka to mahō no kagami). Wer einmal in einen Spiegel gesehen, weiß natürlich genau, wer tatsächlich in Spiegeln wohnt. So gesehen symbolisieren Spiegel in SATŌ Shinsukes Computeranimationsfilm die schöpferische Kraft des Menschen, der mit den verschiedensten Mitteln Abbilder seines Selbst erschaffen kann. Computeranimation ist nach handgefertigten Bildern, Sprache, Fotos, Film und älteren Animationsformen nur die neueste Variante dieses Prinzips.

OI: HatMM erzählt eine wohlbekannte Geschichte: ein Mädchen, das aus dem Alltag in eine fantastische Welt reist, mit Motiven wie Traum vom Fliegen, Nostalgie, Furcht vor dem Fremden, Außenseiter, der sich behaupten muss, Freundschaft, Verrat, größenwahnsinniger Herrscher. Das macht den Film aber eben nicht unoriginell, der erzählerische Einfallsreichtum und die auch visuell überwältigende Umsetzung beweisen einmal mehr, dass Computeranimation nicht steril sein muss, sondern alten Motiven neues Leben einhauchen kann.

Letzten Endes ist es gerade die Universalität der Geschichte, die auf Erinnerungen an Erlebnisse beruht, die in ihren Grundzügen eigentlich von fast allen Menschen geteilt werden, die der Handlung ihre Kraft gibt und auch das zentrale Thema des Films darstellt: Die Spiegel sind Spiegel der Erinnerungen der Menschen, die, wenn sich die Menschen nicht mehr an sie erinnern, von den fuchsartigen Bewohnern der fantastischen künstlichen Computerwelt gestohlen werden können und die der Baron der Füchse nutzen möchte, nicht nur seine eigene Welt zu beherrschen, sondern auch die der Menschen, derer verlorenen Erinnerungen er sich bedient.

Indem Haruka den Spiegel (ihrer Kindheitserinnerungen), den ihr ihre verstorbene Mutter geschenkt hat (so wie die Sonnengöttin Amaterasu in der japanischen Mythologie den Spiegel Yata-no-kagami ihrem Enkel anvertraute), zurückholt, wird sie wieder Herrin ihrer Welt, die das Ergebnis erinnerter Vergangenheit ist. Erst dann kehrt sie aus der fantastischen Ideenwelt des Bilderbuchs, aus dem ihr ihre Mutter vor ihrem Tod vorgelesen und das sich als Computeranimation verselbständigt hat, zurück. Der Tod der Mutter ist in japanischer Literatur eine immer wiederkehrende Metapher für das Ende der Kindheit.