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Artikel mit dem Stichwort ‘Nippon Connection’

Nippon Connection 2013 Special: Tough Moms

Sonntag, 15. September, 2013

Obviously, any work of literature (and I’m including other narrative media like comics, film and games here as well) conceived in Japan is best understood in the context of Japanese culture. This is true also for stories with fantasy settings, even if they seem to be based more on Western sources than on Japanese ones. The actions of the characters and their meaning, the plot progression and its meaning, they follow the logic of the culture shared by the author and its primary intended audience. That is not to say that a story doesn’t have an inner logic that can be understood on its own, even by readers outside the original culture. But the finer nuances and deeper implications might be hidden in cultural context that eludes readers not from that culture.

So the more exposure you get to that culture, either by personal experience or by way of more stories dealing with experiences of their authors, will provide you with useful insights, i.e. the puzzles to piece together the complete picture that is cultural context. The Japanese film festival Nippon Connection in Frankfurt with its wealth of original Japanese movies shown every year has frequently provided me with such insights and I want to talk about one film from this year’s selection that stood out, Tug of War! (Tsuna hiichatta!):

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NC2011-Filme in einem Satz (Teil 1)

Samstag, 30. April, 2011

Auch dieses Jahr findet wieder die Nippon Connection statt, das japanische Filmfestival in Frankfurt. Da ich trotz wenig Zeit doch gerne zu allen gesehenen Filmen was loswerden möchte, habe ich mich entschlossen, das in jeweils einem prägnanten Satz zu machen.

In The Rise and Fall of the Unparalleled Band machen sich Möchtegernverbrecher des Träumens schuldig, schlagen dabei aber einer nach dem anderen den Solopfad ein. ★★★★★

In DumBeast wird nach dem vermissten Autor eines gleichnamigen Buchs gesucht, mit dem dieser die kollektive Anime-TV-Jugend der Japaner als Roman verarbeitet und damit den Unmut seiner auch im echten Leben überzeichneten Protagonisten auf sich gezogen hat. ★★★★★

Der Ausnahmeanimationsfilm Midori-ko erzählt mit 10 Jahren Arbeit in 56 Minuten, wie man auch ohne Fleisch zu essen Mama werden kann. ★★★★☆

Mit der Doku The Duckling reinigt Nachwuchsregisseurin Sayaka ONO tränenreich ihre Seele und die ganze Familie spielt mit. ★★★★☆

MILOCRORZE vereint drei Geschichten, drei Genres und drei Stile zu einem passenden Ganzen, mit überraschenden Sprüngen und raffinierter Inszenierung. ★★★★★

Übermüdet bin ich zu später Stunde während Sketches of Kaitan City ständig eingenickt, aber die wach wahrgenommen Teile waren gut genug, mich auf Verdacht 4/5 Sterne abreißen zu lassen. ★★★★☆

Arrietty ist der schönste Film, den ich seit langem gesehen habe, und hat meine Liebe zum traditionellen Trickfilm wiederbelebt. ★★★★★

In Permanent Nobara scheitern starke Frauen an schwachen Männern, das aber voller Liebe, Lebensfreude und schwarzem Humor. ★★★★★

Das dialoglastige Beziehungsdrama Love Addiction setzt auf authentisch wirkenden Stil, Improvisation und überzeugt in seinen besten Momenten sogar als Satire. ★★★★☆

Wig ist eine nette Mainstreamkomödie, die aber auf vielen Ebenen funktioniert und das Hirn sogar mehr belohnt als die Lachmuskeln. ★★★★☆

Helldriver ist wie eine trashige Splatterversion von Dororo, wenn dessen Titelfigur selbst die Heldin gewesen wäre. ★★★★☆

Strawberry Shortcakes

Donnerstag, 29. Juli, 2010

Strawberry Shortcakes von NANANAN Kiriko (2002)

Selbst solche Frauen wie wir

sind eigentlich fast wie ein Stück Erdbeerkuchen.

Putzig   zerbrechlich   und süß.

Mach jetzt die Augen auf, Dummkopf!

So beginnt NANANAN Kirikos Manga über vier Frauen und ihren Alltag in Tokio. Mit von Kapitel zu Kapitel wechselnder Perspektive fängt NANANAN Sorgen und Wünsche moderner japanischer Frauen minutiös ein und thematisiert dabei auch unschöne Aspekte wie Bulimie, Prostitution und Suizidgedanken. Stellen wir zunächst ihre vier Protagonistinnen vor:

Tōko

Tōko ist eine erfolgreiche Illustratorin für Buchumschläge und verarbeitet seit der Trennung von ihrem Freund ihren Frust in Fressorgien.

Ich möchte ganz viel essen, einfach nur essen.

Bis mein Magen so vollgestopft ist, dass mir kotzübel wird.

Einfach nur, einfach nur ganz viel…

[…]

Essen.

Einfach ganz, ganz viel essen.

Und wenn mein Magen dann voll geworden ist, will ich alles wieder aus mir rauskotzen.

Das fühlt sich an, als ob all die unangenehmen Dinge in mir aus meinem Körper herausgespült werden.

Da sie ihre Bilder in Heimarbeit anfertigt, kommt sie kaum aus dem Haus und ihre wichtigste Verbindung zur Außenwelt ist ihre Mitbewohnerin Chihiro, von der sie auch erfährt, dass ihr Ex bald eine andere Frau heiraten wird. Das scheint ihr nichts auszumachen, Chihiro bewundert sie für ihre Stärke, aber innerlich staut sich unverarbeiteter Frust auf.

Chihiro

Chihiro ist vom Land in die große Stadt gekommen und arbeitet als sogenannte Office Lady, ein Beruf, der extra für Frauen existiert, die ohne Ambition auf Karriere aufs Heiraten und dem damit verbundenen Ausscheiden aus dem Beruf warten.

Die große Stadt Tokio.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und mag die große Stadt Tokio über alles.

Aber…

Manchmal frage ich mich,

ob es für jemanden wie mich, die in einer kleinen Firma unwichtige Büroarbeiten erledigt und so ihr Leben bestreitet,

in Tokio nicht irgendeine wichtige Aufgabe gibt, sie außer mir keiner erfüllen könnte.

Sie sehnt sich nach Selbstbestätigung, bewundert die starke Tōko für ihren Erfolg und ihre Daseinsberechtigung in Tokio, während sie sich selbst dort oft deplatziert fühlt. Das Gemüse, das ihre Eltern ihr schicken, scheint sie aufs Land zurückzurufen. Ihre Beziehungen entstehen auf Initiative anderer hin, ihr Freund trennt sich von ihr so sang- und klanglos, wie er die Beziehung begonnen hat.

Satoko

Satoko lebt in den Tag hinein, beobachtet im Park glückliche Paare und fragt sich, wann sie sich wohl wieder trennen werden.

Ach, ich möcht mich verlieben. Verlieben, verlieben.

Fast so, wie wenn du mit zugepressten Augen an nichts böses denkend spazieren gehst, stolperst und plötzlich in einem Wald liegst, den Duft von wilden Rosen in der Nase.

Oder wenn du mit gesenktem Blick spazieren gehst und plötzlich direkt vor dir ein 10 Tonnen schwerer Smaragd vom Himmel fällt, der dir den Weg versperrt.

So will ich mich verlieben.

Etwas, das plötzlich erscheint und mich erfüllt.

Irgendwann wird das passieren, ganz bestimmt wird das irgendwann passieren.

Einzige Abwechslung von ihren Einkäufen sind ihre Treffen mit Freunden, mit denen sie Sake trinkt und sich über Dinge unterhält, die ebenfalls von Träumereien und Schwärmereien geprägt sind. Sie mag den Film Out of Rosenheim, den Maler Rockwell, die Bands The Kinks und The Specials, den Autor KITAMURA Kaoru, das Algenmuß von Momoya, und fragt sich, ob bei so vielen Vorlieben überhaupt noch Platz ist, um einen Mann zu mögen. Satoko hält Distanz; als ihr ein männlicher Freund seine Liebe gesteht, findet sie es belastend, dass er nicht vorher mit seiner derzeitigen Freundin Schluss gemacht hat. Sie will nicht Schuld am Schmerz anderer sein.

Akiyo

Akiyo führt ein Doppelleben: sie arbeitet als Callgirl, um für die Zukunft vorzusorgen. Doch eigentlich steht diese auf wackligen Beinen.

Oh lieber Gott.

Ich liebe diesen Mann. Ich liebe ihn über alles.

Falls dieser Mann, den ich so liebe, meine Liebe nicht erwidern kann,

dann will ich keinen mehr lieben. Ich will keinen außer ihm.

Wenn ich diesen einen Mann nicht haben kann,

dann will ich lieber…

…sterben.

Davon weiß KIKUCHI, den sie vor vier Wochen kennengelernt hat, nichts. Ihm erzählt sie, sie arbeite in einer Bar. Leider hat KIKUCHI eine Freundin und scheinbar nichts für Akiyo als Frau übrig. Auch wenn sie am Tag 90 000 Yen an ihren Freiern verdient, gegenüber KIKUCHI fühlt sie sich fade und wertlos. Während dem Sex mit ihren Freiern denkt sie an KIKUCHI und was seine Freundin wohl im Bett für ihn macht. Vor lauter Liebeskummer vergisst sie, das Wasser für ihren Goldfisch zu wechseln. Als dieser sich vor Qualen windet, überlegt sie, seinem Leiden ein Ende zu machen, bringt es aber schließlich doch nicht übers Herz. Am Ende ist er zwar nicht mehr zu retten, aber zumindest Akiyo gewinnt Lebenskraft aus der Erfahrung und entschließt sich, aktiver um KIKUCHIs Zuneigung zu kämpfen.

So interessant die Geschichte und ihre Charaktere, so interessant ist auch die erzählerische Umsetzung. Comics definieren sich durch ihre Vermischung von Bild und Text, sei es, dass der Text hörbare Laute als Soundeffekte im Bild darstellt und hörbare Äußerungen der Figuren in Sprechblasen widergegibt, oder dass die geheime innere Gedankenwelt der Figuren als Monologtext sich ins Bild mischt. NANANAN treibt die Gewichtung zwischen Bild und Text oft an ihre beiden Extreme, manchmal verzichtet sie seitenlang fast komplett auf Text oder aber sie geht den umgekehrten Weg, mit kompletten Seiten, in denen die Einzel„bilder“ nur noch aus meist schwarzem Hintergrund für den Text bestehen. Auch in letzterem Fall wird der Comic dadurch aber nicht zum Roman, sowohl Schreibstil wie die Aufteilung in visuell in ihrer Größe gewichteten Einheiten behalten die Essenz des Comics bei. Während die inneren Monologe Einblicke in die Psyche der vier Frauen erlauben, dokumentieren die längeren reinen Bildpassagen Momentaufnahmen aus ihrem Leben und schulen die Beobachtungsgabe des Lesers.

Strawberry Shortcakes DVD (2006)

Für YAZAKI Hitoshis Verfilmung des Comics wurde die Geschichte von der Romanautorin INUKAI Kyōko stark überarbeitet, gerade die inneren Monologe lassen sich nur schwer ins Filmmedium übertragen und mussten in eher sichtbarer Form dem Zuschauer vermittelt werden. Die morbiden Gedanken Akiyos zum Beispiel drücken sich daher in einem Schlafsarg aus, in dem sie sich zur Ruhe bettet. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die eher realistischen Bilder des Comics im Film überzeichneten Neuinterpretationen weichen müssen. Der Film entspricht damit fast eher unser Erwartung an einen Comic als die melancholische Comicvorlage; doch trotz allem Humor wird aus dem ernsten Stoff auch in Filmform keine Komödie, dazu sind auch die komischen Situationen zu bitter. Alles in allem ist der Film expliziter, direkter und auch grausamer.

Auch die Figuren selbst wurden überarbeitet, ebenso die Reihenfolge ihres Auftretens. Motive, die an eine Figur gebunden waren, wie das tote Haustier oder die Beziehung zu Gott, tauchen im Film versetzt an anderen Stellen auf oder werden zum übergeordneten Thema, das alle Figuren beschäftigt.

Satoko, gespielt von IKEWAKI Chizuru

Satoko wurde am stärksten überarbeitet und eröffnet den Film mit einer surrealen Szene. Im Schlafanzug klammert sie sich an das Bein ihres Freundes und fleht ihn an, sie nicht zu verlassen, während dieser unbeirrt weitergeht und sie mitschleift. Zwei Jahre später ist sie an dieser schmerzlichen Trennung gewachsen und arbeitet als Telefonistin in einem Callgirlbetrieb, wo sie auch das Callgirl Akiyo kennenlernt. Auf dem Nachhauseweg findet sie einen kleinen Meteoriten, dem sie zuhause einen Schrein baut und zu ihm wie zu Gott betet. Natürlich bittet sie darum, einen Freund zu finden, aber sie wünscht auch dem zudringlichen Chef auf der Arbeit den Tod, der sie offenbar mit einem seiner Callgirls verwechselt.

Akiyo, gespielt von NAKAMURA Yūko

Akiyo wird mehr bei ihrer Arbeit als Callgirl gezeigt, aber es gibt auch mehr Szenen mit KIKUCHI und natürlich mit Satoko, die sie im Comic nicht kannte.

Chihiro, gespielt von NAKAGOSHI Noriko

Chihiro ist im Film etwas selbstbewusster und stärker, ihre Männerbekanntschaften dafür aber leider auch noch unaufmerksamer, rücksichtsloser und offener in ihrer Missachtung von Chihiros Bedürfnissen.

Tōko, gespielt von IWASE Tōko

Tōko soll ein Bild von Gott malen, so wie sie ihn sich vorstellt. Was von Chihiro sarkastisch kommentiert wird: „Da kannst du ja auch Doraemon1 Doraemon ist eine in Japan populäre Comicfigur und atomar betriebene Roboterkatze aus der Zukunft, die aus ihren Taschen schier endlos viele Dinger hervorzaubern kann. malen.“ Für Chihiros ist Gott wohl ihr Freund, gibt sie zu, er kauft ihr Geschenke und erfüllt ihre Wünsche.

Im Comic fragt Akiyo KIKUCHI am Ende, ob er um sie weinen würde, wenn sie stürbe. Verlegen weicht er der Frage zunächst aus, bejaht sie aber schließlich. Darauf schließt der Comic mit einem letzten inneren Monolog Akiyos:

Lieber Gott.

Eigentlich gibt es dich gar nicht.

Ich werde KIKUCHI auf diese Weise bekommen.

Im Film wird Akiyo deutlicher. Sie nimmt Satokos Meteorit und wirft ihn ins Meer. „Sowas wie Gott gibt es gar nicht“, erklärt sie ihr.

  1. Doraemon ist eine in Japan populäre Comicfigur und atomar betriebene Roboterkatze aus der Zukunft, die aus ihren Taschen schier endlos viele Dinger hervorzaubern kann. []

Brave Story

Sonntag, 11. Juli, 2010
Erstausgabe

Hardcoverausgabe von 2002, 1. von 2 Bänden

MIYABE Miyuki ist eine in Japan sehr erfolgreiche Roman-Autorin, die dank einiger Übersetzungen ihrer Werke ins Englische1 Übersetzt wurden u. a.  Kasha (All She Was Worth), Kurosufaia (Crossfire), R.P.G. (Shadow Family), Bureibu sutoorii (Brave Story), Majutsu ha sasayaku (The Devil’s Whisper), Eiyū no sho (Book of Heroes). auch bei uns einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt. Außerdem hat sie mit Perfect Blue die Vorlage zu einem Anime von KON Satoshi geschrieben, der auch bei uns erfolgreich auf Festivals (darunter die erste Nippon Connection im Jahr 2000) lief. Dieses Werk stammt aus dem Krimi-Genre, in dem sie hauptsächlich aktiv ist, doch aufgrund einer starken Affinität zu Videospielen schreibt sie auch Fantasy-Romane, 2002 eine Adaption von UEDA Fumitos PS2-Debüt Ico, drei Jahre zuvor bereits ihre eigene Version einer auf japanischen Rollenspielen basierenden Fantasy-Welt, Brave Story. Dieser Roman wird von November 1999 bis Februar 2001 in verschiedenen regionalen Zeitungen als Serie veröffentlicht, was in Japan die übliche Vorgehensweise bei Literatur im Allgemeinen ist, bevor sie gesammelt in Buchform erscheint. Eine erste Hardcoverausgabe erscheint 2002 in 2 Bänden mit 630 und 670 Seiten bei Kadokawa Shoten, 2007 auch eine englische Übersetzung bei Viz Publishing.

Comic-Adaption

Comic-Adation von 2003, 1. von 20 Bänden

Die Vermischung der Medien, ursprünglich von Videospiel-Motiven und dem Romanformat, setzt sich fort in einer Comicadaption, die ebenfalls von MIYABE geschrieben und von ONO Yōichirō zeichnerisch umgesetzt wird. Diese erschien ab 2003 und umfasste am Ende 20 Bände. Die Comic-Version unterscheidet sich vom Original zum Beispiel durch das höhere Alter des Protagonisten MITANI Wataru, der im Roman noch im Grundschulalter ist,2 Genau gesagt geht Wataru in der Romanvorlage in die 5. Klasse. Die japanische Grundschule umfasst 6 Jahre. im Comic aber bereits auf die Mittelschule geht. Später folgen eine Verfilmung und darauf folgend auch Videospiel-Umsetzungen für verschiedene Systeme, womit die Motive der Geschichte schließlich wieder in ihrem Ursprungsmedium ankommen.

Anime-Adaption

Zeichentrickverfilmung von 2006, DVD

Als 2006 der Stoff als Zeichentrickfilm fürs Kino adaptiert wird, wird auch die Buchausgabe zweifach neu aufgelegt, einerseits in einer Softcover-Ausgabe im Reklamformat in drei Bänden zu je etwa 500 Seiten, andererseits in einer sich an den Film anlehnenden Ausgabe für Kinder, als sogenannte Lightnovel, mit farbigen Comicillustrationen im Anime-Stil und mehr Lesungszeichen bei für junge Leser noch zu schweren Schriftzeichen. Normalerweise werden Lightnovels speziell für diese Zielgruppe bestehend aus Anime-Fans und eben jüngeren Lesern geschrieben und dienen oft genau wie Comics als Vorlagen für Zeichentrickfilme, aber Brave Story wird erst im Nachhinein in diesem Format veröffentlicht.

Ausgabe für junge Leser

Lightnovel-Ausgabe von 2006, 1. von 4 Bänden

Ursprünglich für Erwachsene geschrieben und auf einem für Lightnovels vergleichsweise hohem literarischem Niveau, ist der Text trotz allem sehr zugänglich und vom Vokabular weniger anspruchsvoll als MIYABEs Krimis, was sicherlich auf die Perspektive des jungen Protagonisten zurückzuführen ist. Brave Story spielt in einer kindlichen Welt, richtet sich aber eigentlich an Erwachsene, im Endeffekt bereitet sie die Art von Welt, die Kinder in Spielform erleben, in einem für Erwachsene leichter zugänglichen Medium neu auf. Da der Text aber auch für Kinder und erwachsene Spieler als Geschichte interessant ist, überbrückt er die unterschiedlichen Rezeptionsgewohnheiten der verschiedenen Zielgruppen und wird daher in so vielen Medien und Vertriebsformen für jeden zugänglich gemacht.

Vorsicht: Ab hier enthält dieser Artikel Spoiler zur Handlung des Romans!

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  1. Übersetzt wurden u. a.  Kasha (All She Was Worth), Kurosufaia (Crossfire), R.P.G. (Shadow Family), Bureibu sutoorii (Brave Story), Majutsu ha sasayaku (The Devil’s Whisper), Eiyū no sho (Book of Heroes). []
  2. Genau gesagt geht Wataru in der Romanvorlage in die 5. Klasse. Die japanische Grundschule umfasst 6 Jahre. []

NC2010 Impressionen: Chocolate Underground

Montag, 19. April, 2010

Dieser Film ist höchstwahrscheinlich der optisch unspekakulärste Anime, der je auf der Nippon Connection gezeigt wurde; dafür ist die Optik aber zuckersüß und der Plot sicher eine der mächtigsten Parodien, die ich in meinem Leben das Vergnügen hatte, sehen zu dürfen. Den Spieß umdrehen (gyakuten) ist eines der großen Themen der jüngeren Otaku-Literatur und Chocolate Underground gelingt dies überaus gut. Stellt sich nur noch die Frage, wie man mehr der Leute, an die sich die Aussage des Films richtet, zum Ansehen dieses köstlichen Zeichentrickfilms bewegen könnte.

NC2010 Impressionen: No More Cry!!!

Montag, 19. April, 2010

Einer der längeren und gleichzeitig erzählerisch dichtesten Filme dieses Jahr war No More Cry!!! (Naku mon ka), der ein wenig wie die (Tragik-)Komödienversion des 2008 gezeigten reinen Rührstücks Nada sō sō anmutete. Der Vergleich macht deutlich, dass traurige Momente so viel effektiver wirken, wenn sie einen Kontrast bilden können zu einer andersgearteten, in diesem Falle komischen, Grundstimmung.

Nicht nur inhaltlich steht der Film mit den Figuren des fiktiven Comikerduos Kinjo Brothers der Fernsehunterhaltung nahe, er demonstriert eindrucksvoll das erzählerische Potential der modernen Melodramform der Seifenoper, das im Ergebnis eine komplexe Narrative mit zahlreichen Storyfäden und Bedeutungsebenen ermöglicht. Mit Humor räumt er außerdem festgefahrene Vorstellungen beiseite und versucht zumindest, den Zuschauer zu neuem Denken zu ermutigen.

NC2010 Impressionen: Zero Focus

Montag, 19. April, 2010

Zero Focus (Zero no shōten), die Verfilmung eines Romans von einem der großen Nachkriegskrimiautoren Japans, MATSUMOTO Seichō, spielt in den späten 50er Jahren, in denen eine frischgebackene Ehefrau, Teiko, vor dem Hintergrund der erste Erfolge feiernden Frauenbewegung, dem Verschwinden ihres Mannes nachgeht. Der Film lief direkt im Anschluss an Kaiji, und der Kontrast zwischen dessen simpler Weltanschauung und Zero Focus‚ differenziertem Porträt des frühen Nachkriegsjapan hätte nicht größer sein können.

Teikos Ermittlungen können zwar ihren toten Mann nicht zurückbringen, wohl aber weiteren Menschen den Tod. Um seine Spuren zu verwischen, muss der Täter immer mehr Menschen aus dem Weg schaffen, eben die einheimischen Helfer bei Teikos Ermittlungen. Einen der wichtigsten Hinweise auf den Täter liefert Teiko selbst mit einer entlarvenden Beobachtung schon früh im Film, doch irgendwie deckt sie nur die traurigen Umstände eines sinnlosen Mordes auf, der sich durch die Ermittlungen zu einer immer weitere Kreise ziehenden Serie entwickelt. Das führt dazu, dass meine Sympathien am Ende eher beim Täter lagen, als bei der Ermittlerin Teiko, für deren selbstsüchtige Aufklärung einem irgendwann das Verständnis ausgeht.

Zero Focus ist ein moderner Krimi, der auf simple Gut-Böse-Darstellung verzichtet und sich stattdessen mit den Ursachen und den Umständen des Verbrechens auseinandersetzt. Als wahrer Verbrecher entlarvt sich schließlich die Gesellschaft mit ihren konservativen Denkmustern.

Wer den Film gesehen hat, interessiert sich vielleicht dafür, dass ein ähnliches Thema auch schon in Injū von EDOGAWA Ranpo, einem Pionier des japanischen Detektivromans und damit Vorläufer MATSUMOTO Seichōs, bearbeitet wurde, das von den erzählerischen Methoden zwar eher mit Kaiji zu vergleichen ist, aber überraschend ähnliche Konstellationen wie Zero Focus aufweist.

NC2010 Impressionen: L vs. Light Rematch

Montag, 19. April, 2010

Die beiden Hauptdarsteller der „Death Note“-Verfilmung, MATSUYAMA Ken’ichi (L) und FUJIWARA Tatsuya (Light) hatten beide jeweils einen neuen Film mit sich in der Hauptrolle bei der diesjährigen Nippon Connection am Start. Letztes Jahr hatte MATSUYAMA leichtes Spiel mit der Comicverfilmung Detroit Metal City, da diese einfach zu gut war und FUJIWARA ihm auch ohne Kontra das Feld überließ. Dieses Jahr sieht die Sache schon anders aus: MATSUYAMA spielt einen etwas „anderen“ jungen Mann in Bare Essence of Life („japanischer“ Titel: Ultra Miracle Love Story) und FUJIWARA einen vom Schicksal geplagten Loser-Typen in Kaiji – Jinsei gyakuten game.

Um es kurz zu machen: MATSUYAMAs neuem Film fehlt es an einer zielführenden narrativen Linie und er wird von FUJIWARAs neuem Film gnadenlos im Staub zurückgelassen. Dieser knüpft nicht nur durch den Hauptdarsteller an Death Note an, er ist ebenfalls eine Comicverfilmung und bedient sich ähnlicher Shōnen-Manga-Erzähltechniken wie die „Death Note“-Filme, inklusive der allseits beliebten unvorhersehbaren Wendungen. Tatsächlich ist er noch shōnen-artiger als DN, obwohl der Titel der Zeitschrift, in der die Vorlage erschienen ist (Young Magazine), eher einen Comic für junge Erwachsene vermuten lässt. Ist aber nicht schlimm, DN war auch sehr düster für einen Shōnen-Manga, da kann auch ein Seinen-Manga im Vergleich kindischer rüberkommen.

FUJIWARAs Figur Kaiji, dessen Name ich mal frech als Variation der bekannten Kaijū (wundersame Monster), zu denen z. B. Godzilla gehören, aber auch die Gegner aus japanischen Superheldengeschichten wie Ultraman oder diversen Sentai/Ranger-Serien, bei dem das Monster (jū) durch Kind (ji) ersetzt wurde. Quasi die niedliche Pokémon-Version des zerstörerischen Monster-Godzilla-Lights. Ein Loser, der den Spieß in einem wahnwitzigen Spiel umdreht (jinsei gyakuten game).

Das übertriebene Shōnen-Manga-Pathos ist herrlich bescheuert und die Satire trotz der naiven Metaphern durchaus treffsicher. Also klarer Sieg für FUJIWARA. MATSUYAMA muss aber nicht traurig sein, da er in Kaiji auch in einer Nebenrolle auftritt (was ich allerdings erst im Abspann bemerkt hatte, lol).

Eigentlich wollte ich diesen Artikel brandaktuell vom Festival aus mit dem Blackberry veröffentlichen, hatte mir auch schon vor dem Ende des Films überlegt, wie der Artikel hätte aussehen sollen, aber dann hatte ich weder in der ersten Pause noch der zweiten die Zeit dazu gefunden und es schließlich auf später verschoben. Über einen Tag später, also reichlich spät für einen brandaktuellen Artikel, aber zumindest ist der Inhalt weitestgehend mit dem gestern geplanten Artikel identisch.

NC2010 Impressionen: Oblivion Island

Sonntag, 18. April, 2010

In Spiegeln wohnen Götter, heißt es an einer Stelle in Oblivion Island: Haruka and the Magic Mirror (Hottarake no shima: Haruka to mahō no kagami). Wer einmal in einen Spiegel gesehen, weiß natürlich genau, wer tatsächlich in Spiegeln wohnt. So gesehen symbolisieren Spiegel in SATŌ Shinsukes Computeranimationsfilm die schöpferische Kraft des Menschen, der mit den verschiedensten Mitteln Abbilder seines Selbst erschaffen kann. Computeranimation ist nach handgefertigten Bildern, Sprache, Fotos, Film und älteren Animationsformen nur die neueste Variante dieses Prinzips.

OI: HatMM erzählt eine wohlbekannte Geschichte: ein Mädchen, das aus dem Alltag in eine fantastische Welt reist, mit Motiven wie Traum vom Fliegen, Nostalgie, Furcht vor dem Fremden, Außenseiter, der sich behaupten muss, Freundschaft, Verrat, größenwahnsinniger Herrscher. Das macht den Film aber eben nicht unoriginell, der erzählerische Einfallsreichtum und die auch visuell überwältigende Umsetzung beweisen einmal mehr, dass Computeranimation nicht steril sein muss, sondern alten Motiven neues Leben einhauchen kann.

Letzten Endes ist es gerade die Universalität der Geschichte, die auf Erinnerungen an Erlebnisse beruht, die in ihren Grundzügen eigentlich von fast allen Menschen geteilt werden, die der Handlung ihre Kraft gibt und auch das zentrale Thema des Films darstellt: Die Spiegel sind Spiegel der Erinnerungen der Menschen, die, wenn sich die Menschen nicht mehr an sie erinnern, von den fuchsartigen Bewohnern der fantastischen künstlichen Computerwelt gestohlen werden können und die der Baron der Füchse nutzen möchte, nicht nur seine eigene Welt zu beherrschen, sondern auch die der Menschen, derer verlorenen Erinnerungen er sich bedient.

Indem Haruka den Spiegel (ihrer Kindheitserinnerungen), den ihr ihre verstorbene Mutter geschenkt hat (so wie die Sonnengöttin Amaterasu in der japanischen Mythologie den Spiegel Yata-no-kagami ihrem Enkel anvertraute), zurückholt, wird sie wieder Herrin ihrer Welt, die das Ergebnis erinnerter Vergangenheit ist. Erst dann kehrt sie aus der fantastischen Ideenwelt des Bilderbuchs, aus dem ihr ihre Mutter vor ihrem Tod vorgelesen und das sich als Computeranimation verselbständigt hat, zurück. Der Tod der Mutter ist in japanischer Literatur eine immer wiederkehrende Metapher für das Ende der Kindheit.

NC2010 Impressionen: The Blood of Rebirth

Samstag, 17. April, 2010

TOYODA Toshiakis Karriere und die Geschichte der Nippon Connection sind zeitlich eng miteinander verbunden, das Festival hat in von Anfang seiner Karriere an in Deutschland bekannt gemacht und ihn begleitet, (fast) alle seine Filme wurden in Frankfurt auf dem Festival gezeigt (mit Ausnahme von Unchain). The Blood of Rebirth (Yomigaeri no chi), sein erster Film nach vier Jahren Regiepause, bricht mit vielen Aspekten, die man aus seinen anderen Filmen gewohnt war (wie z. B. den für gewöhnlich kontemporären Settings mit hohem Realitätsbezug), nicht aber mit der gekonnten Verquickung von Musik und visueller Inszenierung, die diesmal im Vordergrund steht.

Mit 82 Minuten ist der Film ungewöhnlich kurz, aber trotzdem sehr gemächlich im Erzähltempo, was zu einer verhältnismäßig niedrigen Handlungsdichte führt. Der Film konzentriert sich ganz auf die Symbolkraft seiner stark in Szene gesetzten Bilder, die sich fantastisch ergänzen mit der Musik, die dieses Mal genauso wichtig ist wie die Bilder selbst. TOYODA ist, wie er vor und nach der Filmvorführung im Q&A-Gespräch erklärte, VJ von Twin Tail, der Gruppe die den Soundtrack zum Film liefert, der quasi eine Fortführung seiner Arbeit mit der Gruppe ist, mit der er während seiner Regiepause lange Zeit zusammen getourt war.

Das Setting ist eine nicht genau eingrenzbare japanische mittelalterliche Fantasy-Welt1 Grob in der Muromachi-Zeit angesiedelt., die Themen sind Entscheidung für die Hölle Leben und gegen das Paradies Tod, wiederholte Wiedergeburt, gegenseitiges Helfen, Flucht, Freiheit, Konfrontation. Durch die reduzierte Handlung stehen die Motive sehr isoliert und sind klar auszumachen, es ist schon etwas eine Light-Version eines TOYODA-Films, aber nach vier Jahren Pause trotzdem mehr als willkommen. Als Musikfilm weiß er definitiv zu überzeugen, es passt ins Konzept, die audiovisuelle Komponente vor den erzählerischen Anspruch zu stellen.

  1. Grob in der Muromachi-Zeit angesiedelt. []